Der Angreifer von Lüttich hat wenige Stunden vor seiner Tat einen weiteren Menschen getötet. Nach Angaben von Innenminister Jan Jambon handelt es sich dabei um einen ehemaligen Mithäftling des von der Polizei als Benjamin H. bezeichneten mutmaßlichen Täters. Demnach erschlug H., der noch eine Haftstrafe verbüßte, den Mann bei einem Freigang am Montagabend.

Am Tag darauf griff H. in der Lütticher Innenstadt zwei Polizistinnen von hinten mit einem Messer an, entriss ihnen eine Schusswaffe und tötete beide damit. Kurz darauf erschoss er einen 22-Jährigen und flüchtete in eine Schule. Dort konnte er von Mitgliedern einer Spezialeinheit getötet werden. Die belgische Justiz hat die Taten als "terroristische Morde" eingestuft. Das teilte ein Richter mit. Ein Staatsanwalt ergänzte, H. habe mehrmals "Allahu Akbar", "Gott ist groß", gerufen, als er am Dienstag drei seiner Opfer getötet habe.

Seit 2003 inhaftiert

Derzeit prüfen die Ermittlungsbehörden, ob die Tat einen terroristischen Hintergrund hat. Laut Medienberichten soll H. mit Mitgliedern der Islamistenszene bekannt gewesen sein und sich in der Haft radikalisiert haben. Der 36-jährige Belgier war wegen Drogenhandel und Diebstahl vorbestraft. Justizminister Koen Geens zufolge handelt es sich um einen seit 2003 inhaftierten Wiederholungstäter. Er hätte in zwei Jahren entlassen werden sollen. 

Auch Innenminister Jambon sprach von einem möglicherweise terroristischen Tatmotiv. Es sei aber auch möglich, "dass er in unserer Gesellschaft keine Perspektive mehr sah, weil er in der Nacht zuvor einen Mord begangen hatte", sagte er dem belgischen Fernsehsender RTL. Den Berichten über H.s Kontakten zu Islamisten relativiert er. "Es ist wirklich ein isolierter Fall", sagte er. "Er hat keinem Netzwerk angehört, er hat von niemand anderem Instruktionen erhalten, es gibt also keinen Bedarf, die Terrorwarnstufe zu erhöhen."

Terrorwarnstufe bleibt auf zweitniedrigster Stufe

Mitte Januar hatte die belgische Regierung die Terrorwarnstufe auf Stufe zwei herabgesetzt, ein Anschlag gilt demnach als "wenig wahrscheinlich". Nach der Attacke in Lüttich teilte das Krisenzentrum mit, die Terrorwarnstufe bleibe auf der zweitniedrigsten Stufe.

Dennoch sind Behörden, Medien und Bürger in Belgien nach wie vor sensibilisiert. In der Vergangenheit gab es bereits mehrfach terroristische Attacken. Bei der schwersten töteten islamistische Extremisten in Brüssel am 22. März 2016 in der Metro sowie am Flughafen 32 Menschen. Seitdem gab es auch mehrere Angriffe auf Polizisten und Soldaten. Der letzte als terroristisch eingestufte Anschlag ereignete sich am 25. August 2017, als ein 30-jähriger Mann Soldaten im Zentrum von Brüssel mit einem Messer angriff.