Ein zweijähriges kurdisches Flüchtlingsmädchen ist bei einer Verfolgungsjagd mit der belgischen Polizei erschossen worden. Das Kind sei von einer Kugel getroffen worden, sagte der belgische Staatsanwalt Frédéric Bariseau und korrigierte damit seine Angaben vom Vortag. Laut Obduktionsbericht sei die Kugel im Bereich der Wange des Mädchens eingedrungen. Bariseau warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen zu der Frage, ob es sich um eine Kugel aus einer Polizeiwaffe gehandelt haben könnte.

Wie die britische Zeitung Guardian berichtet, war der belgischen Polizei am frühen Donnerstagmorgen im Grenzgebiet zu Frankreich nahe der Stadt Mons (deutsch: Bergen) ein Lieferwagen aufgefallen. Daraufhin verfolgte die Polizei den Lieferwagen. Weil er sich laut Polizei verdächtig verhielt, eröffneten die Beamten das Feuer und brachten den Lieferwagen damit zum Stehen. In dem Lieferwagen befanden sich 30 Kurdinnen und Kurden, darunter vier Kinder.

Den Angaben zufolge starb das Mädchen in einem Krankenwagen auf dem Weg in die Klinik. Die übrigen Passagiere wurden festgenommen: Sie waren ohne gültige Einreisepapiere nach Belgien eingereist.

Der zuständige Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frédéric Bariseau, hatte dem Guardian zufolge nach dem Vorfall gesagt: "Das kleine Mädchen starb nicht durch die Schüsse der Polizei." Verantwortlich für den Tod hätten eine Krankheit oder eine Verletzung durch den Fahrstil des Fahrers gewesen sein können. 

Ob Polizisten Schusswaffen einsetzen dürfen, ist in Belgien durch das Strafrecht und Polizeigesetz geregelt. Demnach ist eine Gewaltanwendung nur legitim, wenn sie begründet und verhältnismäßig ist – also wenn vom Gegenüber eine konkrete Gefahr ausging und das Mittel der Selbstverteidigung nicht die ursprüngliche Aggression übersteigt. "Jede Situation ist anders und man muss von Fall zu Fall unterscheiden", sagte der Polizeichef von Mons-Quévy, Marc Garin, dem öffentlich-rechtlichen Sender RTBF. Ob das Verhalten der Lieferwagenfahrer einen Schusswaffeneinsatz rechtfertigte, prüft nun die Staatsanwaltschaft.