In Berlin sind Hausbesetzer aus Protest gegen die prekäre Lage am Wohnungsmarkt in mehrere leerstehende Gebäude eingedrungen. Insgesamt seien acht Häuser betroffen, teilte die Polizei mit. In sechs Fällen handelte es sich demnach jedoch nur um "Scheinbesetzungen". Die Polizei habe dort keine Personen angetroffen. Aus den Fenstern seien aber Transparente gehängt worden – möglicherweise als "Ablenkungsmanöver", sagte ein Polizeisprecher. 

In den Berliner Stadtteilen Neukölln und Kreuzberg räumte die Polizei besetzte Gebäude. Gegen 56 Personen werde wegen Hausfriedensbruch ermittelt, sagte ein Sprecher der Polizei. Zuvor hatte die Eigentümerin des Hauses in der Bornsdorfer Straße 37b, die landeseigene Stadt und Land Wohnungsbaugesellschaft, ein schriftliches Räumungsbegehren beantragt. 

Die Aktivisten kritisierten die Räumung des Neuköllner Hauses. "Einige Personen wurden beim gewaltsamen Eindringen der Polizei verletzt", hieß es in einer Mitteilung. Ein Sprecher der Polizei hatte dagegen angegeben, dass alles friedlich verlaufen sei.

Auch in der Reichenberger Straße im Stadtteil Kreuzberg war die Polizei mit einem Großaufgebot vor einem besetzten Haus präsent. Die Hausbesetzer hatten dort Transparente angebracht mit Aufschriften wie "Polizeigewalt ein Ende setzen" oder "Die Häuser denen, die sie brauchen". Auch der Besitzer dieses Hauses habe ein Räumungsbegehren gestellt, teilte die Polizei mit. In Kreuzberg und Neukölln waren nach Angaben der Besetzer in und vor den Häusern jeweils etwa 100 Menschen vor Ort.

"Illegitim, dass Häuser leer stehen"

Ein Sprecher der Besetzer kritisierte, Zehntausende Menschen in der Hauptstadt seien wohnungslos und ein immer größerer Teil des Einkommens müsse für steigende Mieten aufgewendet werden. Angesichts der vorherrschenden Gentrifizierung sei es "illegitim, dass Häuser leer stehen", sagte er.

Laut einer Mitteilung wollen die Hausbesetzer etwa in der Bornsdorfer Straße in Neukölln einen "offenen, unkommerziellen Kiezraum" und "selbstverwalteten Wohnraum" in 40 Wohnungen und Gewerberäumen schaffen. Das Haus stehe seit Jahren leer. Es habe bereits Verhandlungen mit dem Eigentümer, einem Landeswohnungsunternehmen, gegeben. Es seien auch schon Möbel in das Haus getragen worden.

Wie die Aktivisten weiter mitteilten, habe man mindestens neun Häuser besetzt, etwa in Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain. Die Besetzungen seien auf Dauer angelegt, hieß es weiter. Im Internet war die Aktion zuvor unter dem Stichwort #besetzen angekündigt worden, jedoch ohne genaue Standorte zu nennen.

In manchen Fällen gehe es um Gebäude im Besitz von Landeswohnungsunternehmen, hieß es vonseiten der Polizei. Da damit klar sei, dass eine Besetzung vom Eigentümer nicht geduldet werde, werde in diesen Fällen der weitere Zugang beschränkt.