Die Bundespolizei ist am Dienstag gegen ein mutmaßliches Schleusernetzwerk vorgegangen, das mehrere Hundert Staatsbürger aus der Republik Moldau mit gefälschten rumänischen Pässen nach Deutschland gebracht haben soll. Nach Angaben der Bundespolizei durchsuchten rund 800 Beamte in Hamburg, Bremen und Sachsen-Anhalt Wohnungen und Büros von Beschuldigten. 

Laut einem Bericht von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung wurden drei Personen festgenommen. Dabei soll es sich um zwei Deutsche und einen russischen Staatsbürger handeln. Sie sollen bandenmäßig in großem Stil Personen geschleust, illegal beschäftigt und für sie Dokumente gefälscht haben. Die so ins Land gebrachten Menschen sollen illegal im Sicherheitsgewerbe beschäftigt worden sein.

Die Ermittlungen von Bundespolizei und Zoll liefen bereits seit vergangenem Sommer. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg führe seit Oktober 2017 ein Ermittlungsverfahren gegen das Netzwerk, zu dem auch eine aus Österreich stammende Familie gehören soll, hieß es.

Dem Bericht des Rechercheverbundes zufolge soll das Netzwerk Verbindungen zur sogenannten Reichsbürgerszene in Sachsen-Anhalt haben. Die Reichsbürger lehnen die Bundesrepublik und ihre Rechtsordnung mit der Begründung ab, dass das Deutsche Reich weiterbestehe. Die Buchhalterin der Sicherheitsfirma, in der die Moldauer arbeiteten, ist laut dem Bericht Gemeindevorsteherin der selbsternannten "Samtgemeinde Alte Marck", die im Altmarkkreis Salzwedel und im Landkreis Stendal eine parallele Kommunalstruktur aufbauen will. Ihre Wohnung soll als Treffpunkt der Reichsbürgerszene dienen, in dem auch Scheingeburtsurkunden oder -gewerbescheine ausgestellt werden.

Der Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt stuft die "Samtgemeinde Alte Marck" als extremistisch ein, weil sie die Bundesrepublik Deutschland als Staat ablehnt – aber nicht als rechtsextrem. Die Ermittler prüfen laut dem Bericht nun, ob Erträge aus dem Schleusernetzwerk in die Reichsbürgerszene gegangen sind.