Nach den Vorfällen in der Flüchtlingsunterkunft in Ellwangen hat die Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic die Pläne der Bundesregierung für neue Rückführungszentren kritisiert. "Da entsteht eine Dynamik und ein Gewaltpotenzial, und das alles auch auf dem Rücken der Einsatzkräfte der Polizei", sagte sie. "Auch vor dem Hintergrund sollte die Bundesregierung ihre Pläne für Ankerzentren noch einmal grundsätzlich überdenken."

"Anker" soll für Ankunft, Entscheidung, Rückführung stehen. In den von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geplanten Zentren sollen Asylbewerber für die gesamte Dauer ihrer Antragsprüfung untergebracht werden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert die Pläne und lehnt einen Einsatz der Bundespolizei in den Einrichtungen ab. Für Mihalic ist dies "kein Wunder". Die Gewerkschaft würde diese Zentren "auch aus Sorge um die Kolleginnen und Kollegen ablehnen".

In der Nacht zum Montag hatten Flüchtlinge in der Einrichtung in Ellwangen gewaltsam die Abschiebung eines Togoers verhindert. Am Donnerstagmorgen rückte die Polizei mit einem Großaufgebot in der Flüchtlingsunterkunft an und nahm den Mann in Gewahrsam. Bei der Razzia wurden insgesamt 292 Menschen kontrolliert. Elf Flüchtlinge sprangen aus Fenstern der Flüchtlingsunterkunft. Insgesamt wurden zwölf Menschen verletzt, darunter auch ein Polizist.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) lobte den Großeinsatz der Polizei als folgerichtig. Der Grünen-Politiker dankte der Polizei, "die am Montag mit der notwendigen Besonnenheit und heute mit der erforderlichen Konsequenz und Härte reagiert hat". Jeder Mensch müsse sich in unserem Rechtsstaat an Recht und Gesetz halten. "Wir dulden keine rechtsfreien Räume, und dieser Angriff auf Polizisten muss geahndet werden", sagte Kretschmann den Zeitungen Heilbronner Stimme und Mannheimer Morgen

Kritik vom Freundeskreis Asyl

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer schrieb über die Razzia auf ihrer Facebook-Seite: Zwar könnten Menschen, die Schutz brauchen, diesen in Deutschland erhalten, "wenn dieser Schutz aber missbraucht wird, etwa durch Angriffe auf Polizeibeamte, werden wir das nicht hinnehmen." Das harte Durchgreifen der Polizei in Ellwangen "ist deshalb notwendig, richtig und absolut zu unterstützen".

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt forderte als Reaktion auf den gewaltsamen Widerstand gegen eine Abschiebung ein härteres Vorgehen. "Wir brauchen ab sofort maximale Härte im Umgang mit Abschiebeverweigerern", sagte er. "Wer seine Abschiebung verhindert, gehört in Abschiebehaft. Wer Abschiebungen anderer behindert, muss hart bestraft und beschleunigt ausgewiesen werden." Der Staat dürfe sein Gewaltmonopol nicht infrage stellen lassen.

Kritik an dem Polizeieinsatz äußerten dagegen Aktivisten der Flüchtlingshilfe. Pater Reinhold Baumann vom Freundeskreis Asyl teilte mit, der Großeinsatz sei unverhältnismäßig gewesen. Der zur Abschiebung anstehende Mann aus Togo sei "kein Schwerverbrecher oder Untergetauchter" gewesen. "Man hat ihn ja dort gefunden."

Im vergangenen Jahr wurden knapp 24.000 Ausländer aus Deutschland abgeschoben. 2017 waren bundesweit 525 Abschiebungen per Flugzeug abgebrochen worden, weil sich die Betroffenen kurz vor der geplanten Ausreise gewehrt hatten. Die meisten dieser Fälle ereigneten sich an den Flughäfen in Frankfurt am Main, München und Hamburg.