Nach wochenlangem Streit hat die französische Polizei das größte illegale Migranten-Zeltlager in Paris geräumt. Die Aktion hatte Innenminister Gérard Collomb bereits in der vergangenen Woche angekündigt: Die humanitären Probleme in den Camps seien unerträglich für die Pariser geworden. Nun teilte er auf Twitter mit, dass die Bewohner des Camps in rund 20 Unterkünften in der Hauptstadtregion untergebracht werden sollen. Der Radionachrichtensender Franceinfo berichtete, die Räumung, die um 6 Uhr morgens begonnen hatte, sei abgeschlossen. Berichte über Zwischenfälle gab es nicht.

Seit Monaten siedeln sich immer mehr Migranten an den Ufern zweier Kanäle im Osten und Nordosten der französischen Hauptstadt an. Collomb zufolge lebten zuletzt 2.300 Menschen in den beiden Camps. Hilfsorganisationen hatten mehrfach die prekären Hygiene- und Lebensbedingungen dort kritisiert. Zudem gab es gravierende Sicherheitsbedenken, nachdem zwei Migranten ertrunken waren. 

Die Räumung ist nicht die erste ihrer Art. In Paris entstehen immer wieder solche Zeltlager. Nach Angaben von Collomb ist die neuerliche Räumung die 35. seit 2015. Mehr als 28.000 Personen seien seitdem anderweitig untergebracht worden. "Diese Situation wird sich unendlich wiederholen, wenn die lokalen Behörden keine Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass die Lager neu entstehen", teilte er mit und forderte einen Langzeitplan der Stadt.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sieht hingegen die Zentralregierung in der Pflicht. "Leben sind in Gefahr", wird sie von der Zeitung Le Parisien zitiert. Seit Wochen hatte sie die Regierung von Präsident Emmanuel Macron zum Handeln aufgefordert.

In den fünf Erstaufnahmezentren in der Region Paris gibt es 750 Plätze. Nach Angaben von Hilfsorganisation wollen viele der illegal Campierenden nicht in die offiziellen Asylunterkünfte – zum Teil, weil sie die Abschiebung oder eine Ablehnung ihrer Asylanträge befürchteten.