Sieben Monate nach Bekanntwerden der ersten Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein hat seine Noch-Ehefrau sich zum ersten Mal zu dem Skandal geäußert. Sie habe nichts davon geahnt, sagte sie dem US-Magazin Vogue. "Da war ein Teil von mir, der schrecklich naiv war", sagte Chapman. Sie habe geglaubt, eine "sehr glückliche Ehe" zu führen. "Das macht es so unfassbar schmerzhaft."

Seit vergangenen Oktober werfen mehrere Frauen Weinstein öffentlich vor, sie belästigt, misshandelt oder vergewaltigt zu haben. Der 66-Jährige räumte zwar Fehlverhalten ein, wies Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex aber wiederholt zurück.

Chapman beschreibt in dem ausführlichen Interview mit Vogue ihr Leben in den vergangenen Monaten. "Ich habe fünf Kilo in fünf Tagen verloren", sagte die 42-Jährige über die Zeit nach Bekanntwerden des Skandals. "Ich konnte kein Essen bei mir behalten." Sie sei fünf Monate lang nicht mehr ausgegangen. Sie sei "beschämt und gebrochen" gewesen.

Rückkehr ihres Modelabels

"Ich habe Momente der Wut, ich habe Momente der Konfusion, ich habe Momente der Fassungslosigkeit. Und ich habe Momente, in denen ich einfach nur um meine Kinder weine. Wie werden ihre Leben werden?", sagte die Modedesignerin in dem Interview. Chapman und Weinstein sind seit 2007 verheiratet und haben zwei Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren.

Wenige Tage nach den ersten Berichten über sexuelle Übergriffe durch ihren Mann kündigte die Britin an, sich von Weinstein scheiden zu lassen. Seither hatte sie zu dem Skandal, der die #MeToo-Bewegung ausgelöst hat, geschwiegen. Ihr Modelabel Marchesa sagte im Februar eine Show im Rahmen der New York Fashion Week ab, bei den Galas zur Verleihung der Golden Globes und der Oscars suchte man Marchesa-Kleider vergebens.

Diese Woche feierte die Marke ein kleines Comeback: Schauspielerin Scarlett Johansson trug als erster Star seit Langem wieder ein Kleid von Marchesa, als sie am Montag die Met-Gala in New York City besuchte. Vogue-Chefin Anna Wintour lobte Johansson dafür am Mittwoch in der Late Show with Stephen Colbert und bezeichnete Chapman als "brillante Designerin", die nicht für das Verhalten ihres Ehemannes bestraft werden solle.

Im Zuge des Weinstein-Skandals gab es Spekulationen, dass auch Chapmans Label Marchesa nicht überleben wird. Chapman sagte der Vogue, sie habe aber noch loyale Unterstützer. Die Britin ist Mitbegründerin des Modelabels.