Aus Griechenland sind mehr als zehntausend Migranten freiwillig in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) reisten sie zwischen Juni 2016 und April 2018 in insgesamt 84 Länder und Gebiete aus. Die meisten dieser Rückkehrer stammen demnach aus Pakistan (etwa 3.100), dem Irak (knapp 2.000) und Afghanistan (circa 1.100). In ähnlicher Größenordnung folgen laut IOM Georgier und Algerier.

Etwa 80 Prozent der Rückkehrer waren demnach Männer. Besondere Hilfe erhielten 77 Kinder, denen die UN-Organisation nach eigenen Angaben half, sie wieder mit ihren Familien im Heimatland zusammenzubringen.

Die IOM bietet den Migranten eine Rückreise unter dem Schutz der Sicherheitsbehörden an. Bevor die Flüchtlinge ins Flugzeug steigen, bekommen sie zudem zwischen 500 Euro und 1.500 Euro Starthilfe für das Leben in ihren Heimatstaaten. "Es handelt sich um Menschen, die es einsehen, dass sie keine Chance haben, Asyl in der EU zu bekommen, und freiwillig und sicher zurückkehren wollen", sagte ein ranghoher griechischer Polizist der Deutschen Presse-Agentur.

Viele Heimkehrer eröffnen zu Hause kleine Geschäfte

Nach IOM-Angaben prüfen Berater und Dolmetscher vor der geplanten Rückkehr den ernsthaften Willen der Menschen und informieren über die rechtlichen Möglichkeiten in Griechenland. Auch bei medizinischen Notlagen wird Hilfe angeboten. Die Organisation zitiert einen Migranten aus dem Iran, der sich nach fünf Monaten in Griechenland zu einer freiwilligen Heimreise entschloss: "Monate vergingen, und angesichts meiner Schwierigkeiten in Griechenland begann ich, meine Familie und Freunde in der Heimat zu vermissen. Der Gedanke, neu anzufangen und wieder mit ihnen zusammenzusein, macht mich glücklich."

Knapp 2.500 der zurückgekehrten Migranten erhielten laut IOM Integrationshilfen für das Leben im Heimatland. Fast alle von ihnen schafften es demnach, zu Hause eigene kleine Geschäfte zu eröffnen. Dies helfe der Heimatregion auch in ökonomischer und sozialer Hinsicht, argumentiert die Organisation.

Das Rückkehrerprogramm, das von der EU und Mitgliedsländern finanziert wird, richtet sich an Menschen ohne Papiere aus Drittländern, die nicht mehr in Griechenland bleiben wollen, und an Asylbewerber, deren Anträge abgelehnt worden oder die ihre Anträge selbst zurückgezogen haben.

Kritik an Zuständen in griechischen Flüchtlingslagern

Als Mittelmeeranrainer trägt Griechenland gemeinsam mit Italien seit Jahren die Hauptlast des Flüchtlingszuzugs. Entspannung sollte das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei bringen. Es sieht vor, dass alle Flüchtlinge, die auf den Inseln der Ostägäis ankommen, von dort zurück in die Türkei gebracht werden müssen, wenn sie in Griechenland kein Asyl bekommen. Wegen Personalmangels laufen die Verfahren in Griechenland jedoch sehr langsam. Dadurch sind die großen Aufnahmelager auf den Inseln nach wie vor überfüllt. Im größten Lager Moria auf der Insel Lesbos hielten sich nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums im April etwa 5.700 Menschen auf. Ausgelegt ist es jedoch nur für 3.000.

Im vergangenen Jahr hatte der Europarat die Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern deutlich kritisiert. In einem Bericht des Antifolterkomitees des Europarats vom September 2017 hieß es, dass Migranten, unter ihnen Frauen, Kinder und unbegleitete Minderjährige, unter "unmenschlichen und entwürdigenden Bedingungen" untergebracht seien. Die Zustände seien zudem ein "Risiko für die Volksgesundheit".

Das Antifolterkomitee warf den griechischen Behörden zudem vor, Forderungen nach einer Reihe von Sofortmaßnahmen wie der Reparatur sanitärer Anlagen, der Desinfektion der Unterkünfte und dem Schutz von unbegleiteten Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch kaum nachgekommen zu sein.