Die Oscarakademie hat den Entertainer Bill Cosby und den Regisseur Roman Polański ausgeschlossen. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences teilte mit, der Vorstand habe dafür abgestimmt, Cosby und Polański die Mitgliedschaft zu entziehen. Der Ausschluss erfolge wegen Verstoßes gegen die Verhaltensrichtlinien der Akademie. Hintergrund der Entscheidung sind Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs.

Ein Gericht hatte Cosby in der vergangenen Woche wegen sexueller Nötigung verurteilt. Cosby ist aus der nach ihm benannten TV-Show der Achtziger- und Neunzigerjahre bekannt. Es war der zweite Prozess gegen Cosby. Der vorige endete ohne Urteil, weil sich die Jury nicht einigen konnte. Polański wurde 1977 in den USA wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung einer Minderjährigen angeklagt, entging einem Prozess aber, indem er sich nach Europa absetzte.

Polański sei von der Entscheidung überrumpelt worden, teilte sein Anwalt Harland Braun mit. Der Regisseur werde die Akademie um eine Anhörung bitten, um für seinen Verbleib in der Organisation einzutreten. Sein Team sei darauf vorbereitet gewesen, in der Sache eine Fürsprache halten zu können, habe die Gelegenheit aber nie erhalten. 

Die Akademie hatte im Oktober 2017 bereits den Produzenten Harvey Weinstein nach zahlreichen Vorwürfen wegen sexueller Belästigung ausgeschlossen. Weinstein war das zweite Mitglied, das jemals der Akademie verwiesen wurde. Der Schauspieler Carmine Caridi verlor 2004 seine Mitgliedschaft, weil er vertrauliche DVDs von Filmen in Umlauf gebracht haben soll, die sich im Rennen um einen Oscar befanden.

Nach dem Fall Harvey Weinstein hatte die Oscarakademie entschieden, ihre Richtlinien für Mitglieder zu ändern. Laut neuem Verhaltenskodex ist in der Organisation kein Platz für "Menschen, die ihren Status missbrauchen, ihre Macht und ihren Einfluss, um gegen Werte des Anstands zu verstoßen".