Die Unwetter in der Nacht zum Donnerstag zählten zu den folgenschwersten der vergangenen Jahrzehnte: Während eines Staubsturms und anschließender Gewitter sind in Nordindien mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Im Bundesstaat Uttar Pradesh starben mindestens 73 Menschen, wie die dortige Katastrophenschutzbehörde mitteilte. Am stärksten betroffen in dem mit rund 200 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundesstaat Indiens war der Bezirk Agra, wo das weltberühmte Bauwerk Taj Mahal steht. Dort wurden 43 Tote gezählt. Im benachbarten Bundesstaat Rajasthan kamen nach offiziellen Angaben mindestens 33 Menschen um. 

Einen Tag zuvor waren bei schweren Gewittern im südlichen Staat Andhra Pradesh bereits mindestens 14 Menschen getötet worden, als innerhalb weniger Stunden mehr als 41.000 Blitze einschlugen, wie die Behörden am Donnerstag berichteten.

Die schweren Sandstürme tauchten weite Gebiete in völlige Dunkelheit. Die meisten Opfer wurden im Schlaf durch umstürzende Mauern, Bäume oder Strommasten erschlagen. Während der Sommermonate schlafen viele Inder im Freien, um der Hitze in den Häusern zu entgehen.

Derartige Stürme wüten in Indien jedes Jahr, diese waren jedoch besonders schwer. "Ich habe so einen zerstörerischen Sturm seit mindestens 25 Jahren nicht erlebt", sagte Shivam Lohia, Hotelbesitzer in Alwar im Norden von Rajasthan, der Nachrichtenagentur AFP. Häuser und Bäume seien umgeweht worden, alle Menschen hätten Angst gehabt. "Es war ein Alptraum", sagte Lohia, der fast in seinem Auto fortgerissen worden wäre. Der Wetterdienst sagte unterdessen weitere Unwetter voraus.

Der indische Premierminister Narendra Modi sprach den Betroffenen sein Beileid aus. Laut dem Sender India TV hat der Regierungschef des Bundesstaats Uttar Pradesch, Yogi Adityanath, angekündigt, die Betroffenen entschädigen zu wollen.