Mehrere Tausend Menschen sind in Berlin für mehr Kitaplätze auf die Straße gegangen. "Angemeldet waren 1.800 Personen, es sind inzwischen aber deutlich mehr", sagte ein Polizeisprecher während der Versammlung. Die Veranstalter schätzten die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegen Ende der Kundgebung auf 3.500. Der Protestzug zog vom Bahnhof Friedrichstraße in Richtung Brandenburger Tor. Viele Familien mit Kindern beteiligten sich mit Plakaten an der Demonstration. Auch Vertreter der Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft (GEW) und ver.di unterstützen die Aktion.

Ein Grund für die fehlenden Kitaplätze ist der Mangel an Erzieherinnen und Erziehern. Deshalb fordert das Elternbündnis Kitakrise Berlin, das zu dem Protestmarsch aufgerufen hatte, sofortige Gehaltserhöhungen, bessere Arbeitsbedingungen sowie Angebote zur Weiterbildung. Außerdem verlangen die Eltern mehr staatliche Unterstützung beim Kitaneubau und ein zentrales Kitaplatzsuchsystem, das Eltern und Kitas entlastet. 

Der Berliner Senat hatte im vergangenen Jahr mehr Personal angekündigt. Das soll schnell umgesetzt werden. So will der rot-rot-grüne Senat 25.000 neue Kitaplätze bis 2021 schaffen. Ausreichen wird das allerdings nicht. In Berlin ist die Zahl der angebotenen Kitaplätze stetig gewachsen und liegt aktuell bei etwa 170.000. Doch die Stadt wächst jährlich um mehrere Tausend Bewohnerinnen und Bewohner, darunter sind auch viele Familien. Zudem war die Zahl der Geburten in Berlin in den beiden vergangenen Jahren mit 41.000 auf Rekordniveau. Heute leben laut Senatsverwaltung um die 220.000 Kinder in der Stadt, das sind 50.000 mehr als noch vor zehn Jahren.

Aber nicht nur Berlin ist vom Mangel an Kitaplätzen betroffen. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) aus dem vergangenen Jahr fehlen bundesweit 300.000 Kitaplätze. Am größten ist der Mangel in Nordrhein-Westfalen.

Seit 2013 gilt in Deutschland auch für Kinder im Alter von ein bis drei Jahren ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung. Das hatte die damalige große Koalition mit der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) bereits 2008 beschlossen.