Die Zahl der Straftaten in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 9,6 Prozent zurückgegangen – und damit so stark wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) hervor, die Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz (IMK), Sachsen-Anhalts Ressortchef Holger Stahlknecht (CDU), vorgestellt hat. "Deutschland ist sicherer geworden", sagte Seehofer. Trotzdem gebe es für die Behörden noch viel zu tun.

Der Statistik zufolge gab es 2017 bundesweit insgesamt 5,76 Millionen Straftaten und damit im Vergleich zu 2016 rund 611.000 weniger als im Vorjahr. Bei etwa einem Drittel aller Straftaten handelt es sich demnach wie in den Vorjahren um Diebstahldelikte. Davon gab es im vergangenen Jahr 2,09 Millionen Fälle — eine Abnahme um 11,8 Prozent im Vergleich zu 2016. Mit 23 Prozent besonders stark zurückgegangen sind Wohnungseinbrüche, die aber immer noch 116.540 Fälle ausmachen. Bei 52.495 davon handelte es sich um Versuche. 

Auch die Zahl der Gewaltverbrechen ist mit einem Minus von 2,4 Prozent rückläufig. Von insgesamt 188.946 Fällen handelt es sich in 137.058 Fällen um gefährliche und schwere Körperverletzung (minus 2,1 Prozent). Raubdelikte gingen um 9,7 Prozent zurück (38.849 Fälle). Fälle von Mord und Totschlag sowie Tötung auf Verlangen nahmen um 1,6 Prozent auf 2.379 Fälle ab, wobei hier die Zahl der Versuche mit 72,4 Prozent überwiegt. Betrachtet man nur die registrierten Morddelikte, so gibt es allerdings einen Anstieg um 24 auf 785 Fälle. Über die Hälfte (56 Prozent) waren hiervon Versuche. Messerattacken werden in der Statistik nicht separat aufgeschlüsselt, da sie nicht bundesweit erfasst werden.

Die Zahl der erfassten Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen lag bei 11.282 Fällen, im Vorjahr waren es 7.919. Ein Vergleich ist jedoch nicht möglich, weil 2017 eine Reform des Sexualstrafrechts in Kraft trat, die vieles unter Strafe stellt, was bis dahin nicht als sexueller Übergriff gewertet wurde. Dass die Zahlen ansteigen, liegt also höchstwahrscheinlich an dieser Änderung.

Die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer lag für diese Straftaten bei 1.495. In die Kategorie zählt das BKA Asylbewerber, Geduldete, Kontingentflüchtlinge, Bürgerkriegsflüchtlinge und Menschen mit dem Status "unerlaubter Aufenthalt" – und für 2017 auch erstmals Asylberechtigte und Schutzberechtigte. Aufgrund dieser veränderten Gruppierung ist ein Vergleich zum Vorjahr ebenfalls nicht möglich.

Weniger nicht deutsche Tatverdächtige

Mit 9,2 Prozent stark angestiegen sind die Rauschgiftdelikte. Hier wurden 330.580 Fälle registriert. Die stärksten Zuwächse gab es bei LSD (27 Prozent), Kokain (18,7 Prozent) und Cannabis (12 Prozent). Im Bereich der Computerkriminalität wurden 108.510 Fälle erfasst und damit 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch gibt es einen Rückgang um 18,7 Prozent bei Datenveränderungen/Computersabotage (3.596 Fälle).

Insgesamt konnte die Polizei im vergangenen Jahr 2,11 Millionen Tatverdächtige ermitteln, was einem Rückgang um 10,5 Prozent entspricht. Darunter befanden sich 1,38 Millionen deutsche (minus 2,2 Prozent) und 736.265 nicht deutsche Tatverdächtige (minus 22,8 Prozent). Der Anteil tatverdächtiger Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr von 40,4 auf 34,8 Prozent reduziert.    

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen. "Die Statistik hat nur eingeschränkten Aussagewert über die wirkliche Kriminalitätsbelastung in Deutschland", sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sieht die Statistik im Widerspruch zur gefühlten Sicherheit in Deutschland. "Das ist tatsächlich ein Phänomen, ein Paradoxon", sagte der BDK-Vorsitzende André Schulz. Seit Jahren schon sei zu beobachten, "dass das in keinem Verhältnis steht". Malchow von der GdP fordert auch deshalb einen jährlichen Sicherheitsbericht, der auch Straftaten, die nicht angezeigt werden, sowie Vandalismus-Schäden und Bagatelldelikte erfasst.