Der Chef der Hilfsorganisation Oxfam in Großbritannien will zurücktreten. Mark Goldring werde zum Ende des Jahres seinen Posten räumen, teilte die Organisation mit. Grund sei die Aufarbeitung der Fehlverhaltens- und Missbrauchsvorwürfe gegen Oxfam-Mitarbeiter.

Im Februar war bereits die britische Vizechefin Penny Lawrence zurückgetreten. Auslöser des Skandals waren Berichte über Partys von Oxfam-Mitarbeitern mit Prostituierten in Haiti im Jahr 2010 und im Tschad im Jahr 2006. Auch sieben Angestellte, darunter der Oxfam-Leiter für Haiti, mussten gehen. Die frühere Oxfam-Spitzenmanagerin, Helen Evans, hatte später in einem Fernsehinterview berichtet, Oxfam-Mitarbeiter hätten Frauen auch zu Sex als Gegenleistung für Hilfen in Notlagen gezwungen. Oxfam wird vorgeworfen, die Ereignisse vertuscht zu haben.

Oxfam-Chef Goldring war zuvor für Äußerungen im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen in die Kritik geraten. In einem Interview mit The Guardian hatte er gesagt, seine Organisation werde angegriffen, als ob sie "Babys in ihren Bettchen ermordet" hätte. "Ich war unter Stress", erklärte Goldring später sein Verhalten und entschuldigte sich. Er war seit 2013 Chef von Oxfam in Großbritannien.

Die Organisation müsse jetzt das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückgewinnen, schreibt Goldring. Oxfam habe in den vergangenen Monaten die Grundlagen für eine weitreichende Erneuerung der Organisation gelegt. Das aber sei eine Aufgabe für einen neuen Chef. Er sei sehr wütend über den Machtmissbrauch in Haiti, kritisiere aber die breite Berichterstattung. Diese habe die öffentliche Unterstützung für Hilforganisationen unterminiert, schreibt Goldring.