Im NSU-Prozess haben die Verteidiger von Carsten S. einen Freispruch für ihren Mandanten gefordert. Der heute 38-Jährige habe nichts von den geplanten Morden und Anschlägen des Nationalsozialistischen Untergrunds gewusst, sagte sein Anwalt Jacob Hösl vor dem Münchner Oberlandesgericht. "Er hatte so etwas nicht für möglich gehalten." S. habe "nicht bedingt vorsätzlich gehandelt. Deshalb kann ihm heute kein strafrechtlicher Vorwurf mehr gemacht werden", sagte Hösl.

Die Bundesanwaltschaft hat S. wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, weil er die wichtigste Mordwaffe des NSU, eine Česká-Pistole, zu Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach Chemnitz gebracht haben soll. Mit dieser Waffe sollen die beiden Terroristen neun Gewerbetreibende mit türkischen und griechischen Wurzeln ermordet haben.

Mit einer umfassenden Aussage im Münchner Prozess hatte S. vor allem den Mitangeklagten Ralf Wohlleben stark belastet, der bei der Waffenbeschaffung die zentrale Rolle gespielt haben soll. Mehrere Angehörige von NSU-Opfern erkannten zudem die Reue von S. an – und haben ihm nach eigenem Bekunden verziehen. S. befindet sich auf freiem Fuß. Er gilt selbst als gefährdet und befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm.

Lebenslange Haft

Die Anklage hatte drei Jahre Jugendstrafe für S. beantragt, der zur Tatzeit noch nicht 21 Jahre alt war. S. hatte gestanden, die Waffe übergeben zu haben. Anwalt Hösl betonte aber, S. sei damals nur der "willfährige Adlatus" des Mitangeklagten Wohlleben gewesen.

Die Verteidiger-Plädoyers hatten vergangene Woche mit den Schlussvorträgen der beiden Wunschverteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe begonnen. Sie lebte fast 14 Jahre gemeinsam mit den NSU-Mitgliedern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund, die sich am Ende der Mordserie umgebracht hatten. Die Bundesanwaltschaft fordert für Zschäpe lebenslange Haft. Die Verteidiger verlangten dagegen eine Gefängnisstrafe von maximal zehn Jahren.