Auf Puerto Rico sind durch den Hurrikan Maria im Jahr 2017 einer Studie zufolge erheblich mehr Menschen gestorben als offiziell bestätigt. Laut Forschungen der Universität Harvard starben auf der Karibikinsel mindestens 4.645 Menschen. Die US-Regierung hatte die Zahl zuletzt mit 64 angegeben. Der Hurrikan hatte die Karibikinsel im September 2017 fast völlig zerstört.

Die Studie wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Sie zählt zu den Opfern nicht nur die Menschen, die unmittelbar in dem Sturm starben. Sie bezieht auch all diejenigen mit ein, die etwa wegen verspäteter medizinischer Hilfe gestorben sind. Wegen des zerstörten Kommunikationsnetzes und beschädigter Infrastruktur hatten Hilfslieferungen damals nur langsam die Betroffenen erreicht. Die Insel hat bis heute Probleme mit der Stromversorgung.

Bereits direkt nach Hurrikan Maria war berichtet worden, dass in den ersten Wochen wegen der ungewöhnlich schlechten Versorgung der Einwohnerinnen und Einwohner sehr viel mehr Menschen gestorben waren als nach einer solchen Katastrophe üblich. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump war für mangelhafte Hilfsleistungen kritisiert worden. Puerto Rico, ein Außengebiet der USA, hat etwa 3,4 Millionen Einwohner.

84 Tage ohne Strom

Die von den Forschern genannte Opferzahl bezieht sich auf den Zeitraum zwischen dem 20. September 2017, als der Sturm auf die Insel getroffen war, und dem 31. Dezember 2017. Für ihre Untersuchung befragten die Forscher 3.299 Haushalte. Als Maßstab dafür, welche Todesfälle dem Hurrikan zugerechnet wurden, wendeten sie nach eigenen Angaben die Kriterien der US-Gesundheitsbehörde CDC an. Demnach werden neben umstürzenden Bäumen und herumfliegenden Trümmern auch durch einen Sturm verursachte prekäre Lebensbedingungen einbezogen, um die Opferzahl zu kalkulieren.

Die jetzige Untersuchung weicht in der Opferzahl nicht nur drastisch von der bisherigen offiziellen Bilanz ab. Sie schätzt die Zahl der Toten auch deutlich höher ein als vorherige unabhängige Untersuchungen. Diese gingen von etwa tausend Todesopfern aus. Die Harvard-Forscher sagten, sie seien bei ihrer Kalkulation vorsichtig vorgegangen. So hätten sie Menschen, die von ihren Familienmitgliedern als vermisst angegeben worden seien, nicht in die Totenbilanz aufgenommen. Tatsächlich könne die Zahl der Todesopfer bei mehr als 5.700 liegen, teilten die Wissenschaftlerinnen mit.

Als Ergebnisse ihrer Umfrage hielten sie unter anderem auch fest, dass die Haushalte in Puerto Rico nach dem Sturm Maria im Schnitt 84 Tage ohne Strom, 64 Tage ohne Wasser und 41 Tage ohne Mobilfunkverbindung gewesen seien.