Fast jeder und jede fünfte Deutsche hätte ungern Menschen jüdischen Glaubens in der Familie. Das geht aus einer Studie des Pew-Forschungsinstituts mit dem Titel Christ sein in Westeuropa hervor, für die im vergangenen Jahr rund 25.000 Erwachsene in 15 Ländern befragt worden waren. Demnach antworteten 19 Prozent der Befragten in Deutschland auf die Frage "Wären Sie bereit, einen Juden als Familienangehörigen zu akzeptieren?" mit "Nein". 69 Prozent sagten "Ja". Zwölf Prozent der Befragten gaben keine eindeutige Antwort.

Zum Vergleich: Nur drei Prozent der Menschen in den Niederlanden und in Norwegen hätten ein Problem mit jüdischen Familienmitgliedern. Die höchsten Nein-Werte ermittelten die Forscher in Großbritannien (23 Prozent), Italien (25 Prozent) und Österreich (21 Prozent).

Die Akzeptanz von Muslimen ist besonders gering

Noch deutlich geringer war die Akzeptanz allerdings, als die Meinungsforscher nach Muslimen fragten. Laut Studie würden 33 Prozent der Deutschen keine muslimischen Familienmitglieder akzeptieren. Die Studie zeigt außerdem, dass Menschen christlichen Glaubens ablehnender sind als Menschen ohne Konfession. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um praktizierende Christinnen und Christen handelt oder um solche, die entweder nie oder sehr selten zum Gottesdienst gehen.

Große Unterschiede gebe es zwischen den unterschiedlichen Konfessionsgruppen in Deutschland. Menschen katholischen Glaubens äußerten sich eher ablehnend gegenüber Musliminnen und Muslimen als solche mit protestantischem Glauben. Etwa jedes zweite Mitglied der katholischen Kirche (51 Prozent) antwortete, es sei nicht bereit, Musliminnen und Muslime als Familienmitglieder zu akzeptieren. Bei den Protestantinnen und Protestanten äußerten dies dagegen nur etwa 16 Prozent.

Immer mehr Menschen entfernen sich von der Religion

Laut der Studie des US-Forschungsinstituts ist die Zahl der Menschen, die sich als einer christlichen Konfession zugehörig bezeichnen, in allen westeuropäischen Staaten seit 2002 gesunken. Der Abwärtstrend war allerdings in Deutschland, Italien, Frankreich und in den Niederlanden weniger stark als etwa in Finnland, Belgien, Irland oder Portugal. 68 Prozent der Westeuropäerinnen und Westeuropäer, die sich nicht mehr mit einer Religion identifizieren, gaben an, sie hätten sich "allmählich" davon entfernt.

Viele sagten, sie seien mit den Ansichten der Kirche zu Homosexualität und Abtreibung nicht einverstanden oder hätten einfach aufgehört, an die religiösen Inhalte zu glauben. In Spanien und Italien nannte die Mehrheit auch "Skandale im Zusammenhang mit religiösen Institutionen und Führungspersönlichkeiten" als wichtigen Grund dafür, dass sie sich nicht länger als Teil einer Kirche oder einer anderen religiösen Gruppe fühlte.