Eine deutsche Krankenschwester des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ist in Somalias Hauptstadt Mogadischu entführt worden. Es werde alles getan, um ihre Freilassung zu garantieren, twitterte die IKRK-Vertretung in Brüssel. "Wir machen uns sehr große Sorgen um die Sicherheit unserer Kollegin", hieß es in einer Mitteilung des stellvertretenden Chefs der internationalen Rotkreuzdelegation in Somalia, Daniel O'Malley. Die Deutsche sei eine Krankenschwester, "die sich jeden Tag darum bemüht" habe, "Leben zu retten und den Gesundheitszustand von einigen der verletzlichsten Menschen in Somalia zu verbessern".

Das IKRK steht nach eigenen Angaben im Kontakt mit verschiedenen Behörden, um die Freilassung der Frau zu erreichen.

Nach Angaben der Hilfsorganisation kam es zu der Entführung, als bewaffnete Männer auf das IKRK-Gelände in Mogadischu vorgedrungen waren. Rotkreuzmitarbeiter in Somalia sagten der Nachrichtenagentur AFP, die Angreifer hätten offenbar die Sicherheitsleute auf dem IKRK-Gelände umgangen und die Krankenschwester durch einen Hinterausgang in ein dort wartendes Fahrzeug verschleppt. Sie sei trotz Anwesenheit mehrerer Sicherheitskräfte gekidnappt worden, sagte der Polizist Mohamed Hussein der Nachrichtenagentur AP. Diese seien daraufhin festgenommen worden.

Somalia zählt zu den gefährlichsten Ländern der Welt – insbesondere auch für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. 2016 und 2017 wurden dort nach einem Bericht der Vereinten Nationen mindestens 30 humanitäre Helfer getötet.

Entführungen sind in dem Bürgerkriegsland zwar relativ selten, dennoch waren Ausländer, darunter Journalisten und Entwicklungshelfer, in der Vergangenheit von bewaffneten Banden oder Anhängern der radikalislamischen Al-Shabaab-Miliz entführt und für Lösegeldforderungen festgehalten worden – einige davon über Jahre.

Auch Bombenanschläge und Morde sind in Somalia häufig. Auch hierzu bekennt sich meist Al-Shabaab, welche die international anerkannte Regierung in Mogadischu stürzen will. Internationale Hilfsorganisationen wie das unabhängige, in der Schweiz ansässige IKRK werden von den Extremisten als Unterstützer dieser Regierung angesehen. Andere Aufständische und bewaffnete Gruppen sehen die Hilfsorganisationen vor allem als Einnahmequelle.