Zum 200. Geburtstag von Karl Marx hat die Stadt Trier eine Statue des weltberühmten Philosophen enthüllt. Die Skulptur ist aus Bronze gefertigt, mit Sockel 5,50 Meter hoch – und ein Geschenk Chinas an dessen Geburtsstadt. Zur Enthüllung kamen rund 200 Ehrengäste, darunter die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD), SPD-Chefin Andrea Nahles und der Vizeminister des Informationsbüros des Staatsrates der Volksrepublik China, Guo Weimin.

Der chinesische Botschafter in Berlin, Shi Mingde, bezeichnete die Statue als "Zeugnis unseres freundlichen Austausches". Damit wolle die Volksrepublik "dem großen Karl Marx unseren Respekt und das Gedenken Chinas und der chinesischen Bevölkerung vermitteln".

Auch Dreyer hob die Bedeutung der Statue für die internationalen Beziehungen hervor. "Das Geschenk aus China empfinde ich als eine Säule und Brücke der Partnerschaft", sagte sie bei der Enthüllungsfeier. Das Jubiläum sei eine Gelegenheit, neu auf Marx zu blicken und sich mit ihm auseinanderzusetzen. Sie rief zu einem differenzierten Blick auf den Philosophen auf: "Man kann Karl Marx nicht die Gräueltaten im 20. Jahrhundert anlasten. Und genauso wenig kann man ihn zum Heiligen sprechen."

"Marx vom Sockel holen"

Doch die Statue ist genau deshalb umstritten, während der Enthüllung gab es in Trier mehrere Demonstrationen. Die Gegner kritisieren die Statue entweder, weil sie aus dem autoritären China kommt, oder weil sie darin eine unangemessen Huldigung des Kommunismus sehen: So hatte die Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland unter Verweis auf die Menschenrechtslage in China gefordert, die Statue vorerst nicht einzuweihen; auch AfD-Politiker, der frühere tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus und Verbände wie die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft hatten die Aufstellung der Statue kritisiert. Auch im Trierer Stadtrat, der die Schenkung der Volksrepublik nach kontroverser Debatte im März 2017 angenommen hatte, gibt es bis heute Proteste, etwa von Grünen und Liberalen.

Bei einem Schweigemarsch der AfD am Samstag unter dem Motto "Marx vom Sockel holen" kamen laut Polizei rund 70 Personen zusammen; an einer Gegendemonstration nahmen dagegen 150 Menschen und an einer weiteren Kundgebung von Befürwortern etwa 300 Menschen teil.

Marx, einer der geistigen Väter des Kommunismus, war 1818 in Trier geboren worden und verbrachte die ersten 17 Jahre seines Lebens in der Stadt. In seinem Geburtshaus, dem Museum-Karl-Marx-Haus, ist eine neu gestaltete Dauerausstellung zu sehen. Drei Museen setzen sich bis zum 21. Oktober mit Leben, Werk und Wirken von Marx auseinander.