Mehr als 770.000 junge Kinder in der Kasaï-Region im zentralafrikanischen Kongo sind einem Unicef-Bericht zufolge mangelernährt und benötigen Hilfe. "400.000 dieser Kinder sind so schwer unterernährt, dass ihr Leben in Gefahr ist",  heißt es in einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks.

Sollte die humanitäre Hilfe nicht aufgestockt werden, könne die Zahl der Todesfälle unter den Kindern "drastisch ansteigen". Betroffen sei jedes zehnte Kind unter fünf Jahren. Unicef könne diesen Kindern helfen, brauche dafür aber mehr Mittel, sagte Gianfranco Rotigliano, der Unicef-Vertreter im Kongo.

Seit Jahrzehnten kämpfen im Kongo Milizen verschiedener Volksgruppen gegeneinander. Obwohl sich die Situation in den vergangenen Monaten etwas beruhigt habe, seien 3,8 Millionen Menschen, darunter 2,3 Millionen Kinder, auf humanitäre Hilfe angewiesen. Auch in die zuvor friedliche Region Kasaï und in der Provinz Ituri hat sich die Gewalt ausgebreitet. Hunderttausende wurden aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben und flüchteten teils in die offene Steppe. Dadurch könnten sie aber weder ihre Felder bestellen noch ernten.

"Unvorstellbares Leid erlebt"

"Tausende geflüchtete Kinder hatten monatelang keinen Zugang zu lebenswichtiger Hilfe, wie Gesundheitsversorgung, sauberes Trinkwasser und Schulen, und sie haben unvorstellbares Leid erlebt", sagte Unicef-Exekutivdirektorin Fatoumata Ndiaye nach einem Besuch in der Region. "Jetzt, da die Sicherheitslage besseren Zugang erlaubt, müssen die Regierung und Hilfsorganisationen mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft schnell die Hilfe für Kinder aufstocken."

Laut dem Bericht wurden seit 2016 mehr als 400 Schulen in der Kasaï-Region angegriffen oder für militärische Zwecke missbraucht. 100 Schulen und 200 Gesundheitszentren wurden zerstört beziehungsweise geplündert. Tausende Kinder seien zudem von bewaffneten Gruppen rekrutiert worden, die Milizen in der Region bestünden zu 60 Prozent aus Kindern und Jugendlichen unter 18.

In Gegenden nachlassender Kämpfe kehren die Menschen teils in ihre Dörfer zurück, wo sie mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt werden können. Unicef versorgte in Kasaï bereits Zehntausende stark unterernährte Kinder, stellte Wasser zur Verfügung, impfte zwei Millionen Kinder gegen Masern und half bei Bildungsangeboten.

Kongo bekommt weniger Hilfsgelder als andere Regionen

Im Kongo kommt es immer wieder zu gewalttätigen Konflikten. Hinzu kommt eine politische Dauerkrise um die Regierung von Joseph Kabila. Der Präsident weigert sich seit Dezember 2016, nach zwei Amtszeiten, wie von der Verfassung vorgeschrieben auf die Macht zu verzichten und Neuwahlen zuzulassen.

Der Kongo bekommt nach UN-Angaben weniger Hilfsgelder als andere Regionen. 750.000 Kongolesen sind den Vereinten Nationen zufolge geflüchtet, zugleich halten sich rund 500.000 Flüchtlinge aus Nachbarländern im Kongo auf.