Es ist eine Hochzeit mit hohem Aufmerksamkeitsfaktor: Im englischen Städtchen Windsor kommen seit dem frühen Morgen Zehntausende Menschen an, um einen Blick auf das royale Brautpaar zu erhaschen. 100.000 Fans werden erwartet, Millionen werden die Zeremonie vor den Fernsehern weltweit verfolgen. Vor 600 geladenen Gästen geben sich Prinz Harry und Meghan Markle am frühen Nachmittag das Jawort, dann zeigen sie sich bei einer Kutschfahrt in Windsor. Königin Elizabeth II. hat dem Paar bereits die obligatorischen Adelstitel verliehen: Sie sind künftig Herzog und Herzogin von Sussex. Premierministerin Theresa May übermittelte per Twitter bereits ihre Glückwünsche.

Der Traugottesdienst soll um Punkt 13 Uhr deutscher Zeit in der St.-Georgs-Kapelle auf dem Gelände von Schloss Windsor beginnen. Das Programm ist minutiös durchgeplant. Etwa 20 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes werden Harry und sein Bruder William auf Schloss Windsor erwartet; William ist Harrys Trauzeuge. Meghan, die keine Trauzeugin ausgewählt hat, soll erst unmittelbar vor Beginn an der St.-Georgs-Kapelle im Schloss ankommen.

Als Gäste kommen Königin Elizabeth II. und ihr Mann Prinz Philip. Ihre Ankunft in der Kirche ist im Programmheft für exakt 12.52 Uhr angekündigt. Neben bekannten und weniger bekannten Mitgliedern des britischen Königshauses sollen auch einige frühere Kollegen von Meghan das Brautpaar feiern. Sie haben gemeinsam in der US-Anwaltsserie Suits gespielt, die Meghan international bekannt gemacht hat. Nach der Verlobung mit Harry hatte sie angekündigt, den Schauspielberuf aufzugeben.

Kein "Gehorsam"-Versprechen

Am Vormittag trafen die ersten prominenten Gäste auf Schloss Windsor ein. Zu sehen waren unter anderem Golden-Globe-Preisträger Idris Elba, die US-Star-Moderatorin Oprah Winfrey und Sänger James Blunt. Tennisstar Serena Williams postete bei Twitter ein Bild von sich, eingehüllt in ein Handtuch: "Ich mache mich für die Hochzeit meiner Freunde fertig", schrieb sie.

Auch Charles Spencer, der Bruder von Harrys verstorbener Mutter Diana, traf bereits am Schloss ein. Hochrangige Politiker seien nicht eingeladen, hatte es bereits vorab vom Palast geheißen. Die britische Premierministerin schrieb bei Twitter: "Meine allerbesten Wünsche für Prinz Harry und Meghan Markle an ihrem Hochzeitstag." Sie wünsche all denen, die an den Feiern im Land teilnehmen, einen wundervollen Tag.

Nicht live dabei ist Meghans Vater Thomas Markle. Er musste sich einer Herz-OP unterziehen. Zuvor hatte es reichlich Wirbel um den 73-Jährigen gegeben, unter anderem hatte er gegen Geld für gestellte Paparazzi-Fotos posiert. Zum Altar soll die Braut daher am Arm ihres künftigen Schwiegervaters, Prinz Charles, schreiten.

Der Gottesdienst mischt laut Programm Tradition mit ein wenig Moderne: Ein Gospelchor soll unmittelbar vor den Eheversprechen den Sechzigerjahre-Hit Stand by me des 2015 verstorbenen US-Musikers Ben E. King singen. Meghan werde ihrem Bräutigam keinen "Gehorsam" versprechen, die Trauung werde in einem nicht allzu altertümlichen Englisch abgehalten, hieß es. 

Private Party um 20 Uhr

Auch wenn sich einer Umfrage zufolge rund die Hälfte der Briten aus der "Royal Wedding" gar nichts macht – das Geschäft mit dem Brautpaar läuft prächtig. Vor allem Becher mit Motiven der beiden seien beliebt, berichten Souvenirverkäufer in Windsor. Aber auch Geschirrtücher, Fahnen, Keksdosen, Tee und noch viel mehr haben sie als Hochzeitsedition im Angebot.

Die kleine Stadt Windsor, rund 40 Kilometer westlich von London gelegen, ist seit Tagen im Ausnahmezustand. Am Samstag herrschte die höchste Sicherheitsstufe: Die vielen Tausenden Royals-Fans mussten durch eine Sicherheitsschleuse wie am Flughafen, um zum Schlosshügel zu gelangen. Außerdem patrouillierten schwerbewaffnete Polizeieinheiten durch die Stadt, in der die Zuschauer – viele von ihnen bunt verkleidet – mit Picknickkörben, Sekt und Bier feierten. Auch in London feierten Tausende das Paar beim Public Viewing und auf Partys.