Ein türkisches Gericht hat angeordnet, den Hausarrest für den prominenten Journalisten Şahin Alpay aufzuheben und zwei weitere Journalisten aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Der Schritt erfolgte nach den Gerichtsterminen diese Woche in dem Fall der inzwischen geschlossenen Zeitung Zaman, für die die drei Journalisten schrieben.

Alpay war nach dem gescheiterten Militärputsch vor knapp zwei Jahren festgenommen worden, für den die türkische Regierung den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen verantwortlich macht. Zaman war das wichtigste Medium der Gülen-Bewegung.

Die gesamte Anklageschrift gegen die Zeitung Zaman bezieht sich auf mehr als 30 Personen und wurde in mehrere Verfahren aufgeteilt. Der Prozess in dieser Woche umfasste elf Verdächtige, darunter Ali Bulac und Mehmet Özdemir, die freigelassen wurden. Vier blieben inhaftiert. Die nächste Anhörung ist für den 7. Juni angesetzt.

Internationale Kritik

Der Umgang der türkischen Justiz mit dem 74-jährigen Alpay und einem weiteren prominenten Journalisten hatte international Kritik ausgelöst. In beiden Fällen hatte das Oberste Gericht der Türkei deren Freilassung angeordnet. Nachdem die türkische Regierung jedoch harsche Kritik an dieser Entscheidung geübt hatte, weigerten sich untergeordnete Gerichte, das Urteil umzusetzen. Die Journalisten blieben vorerst in Haft.

Nach 20 Monaten in Untersuchungshaft war Alpay im März aus dem Gefängnis entlassen und unter Hausarrest gestellt worden. Das türkische Verfassungsgericht hatte zuvor erneut entschieden, dass die Haft seine Grundrechte unrechtmäßig einschränke.

Danach verurteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Türkei wegen der unrechtmäßigen Untersuchungshaft. Die Straßburger Richter urteilten zudem, dass die Türkei mit der Strafverfolgung der Journalisten deren Meinungsfreiheit verletzt habe.

Dutzende Journalisten inhaftiert

Seit dem gescheiterten Putsch, nach dem der Ausnahmezustand verhängt wurde, verschärfte die türkische Regierung die Maßnahmen gegen angebliche Gülen-Anhänger erheblich. Seit 2016 wurden rund 50.000 Menschen inhaftiert, dutzende Medienunternehmen wurden geschlossen.

Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen sitzen derzeit Dutzende Journalisten in türkischen Gefängnissen. Die meisten von ihnen wurden in der Zeit des Putschversuchs verhaftet. Andere Gerichtsverfahren mit Journalisten sind noch nicht abgeschlossen.