Der ehemalige Filmproduzent Harvey Weinstein ist vor das New Yorker State Supreme Court getreten – und hat sich für nicht schuldig erklärt. "Not guilty", sagte der 66-Jährige zu den Vorwürfen der Vergewaltigung und Belästigung. Mehr als hundert Frauen, unter ihnen viele namhafte Schauspielerinnen, haben Weinstein seit Oktober 2017 vorgeworfen, sie in der Vergangenheit belästigt oder vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft nahm daraufhin Ermittlungen auf. Im Mittelpunkt des Prozesses stehen die Vorwürfe von zwei Klägerinnen; die anderen Fälle sind bereits verjährt.

Eine anonyme Klägerin sagte den Ermittlern, Weinstein habe sie 2013 in ihrem Hotelzimmer bedrängt und vergewaltigt. Die andere Klägerin ist die frühere Schauspielerin Lucia Evans. Sie sagte, Weinstein habe sie 2004 in seinem Büro zu Oralverkehr gezwungen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem 66-Jährigen bis zu 25 Jahren Gefängnis.

Verteidiger: Weinstein wird seinen Namen reinwaschen

Weinsteins Anwalt Benjamin Brafman nannte die Vorwürfe vor Gericht "absurd". Die anonyme Klägerin habe ein Jahrzehnt lang eine einvernehmliche Beziehung mit Weinstein geführt, auch nach dem angeblichen Vorfall 2013 hätten sie ihre Beziehung fortgesetzt. Brafman sei zuversichtlich, dass Weinstein seinen Namen reinwaschen könne. Brafman sagte, der Fall solle vor Gericht und nicht in den Medien verhandelt werden. Die nächste Anhörung ist für den 20. September angesetzt.

Am 25. Mai hatte sich Weinstein der New Yorker Polizei gestellt. In der kurzen Erklärung der Polizei hieß es, Weinstein sei "festgenommen, erkennungsdienstlich behandelt und der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen, des sexuellen Missbrauchs und sexuellen Fehlverhaltens in zwei verschiedene Frauen betreffenden Fällen beschuldigt" worden. Daraufhin erhob die Staatsanwaltschaft New York Anklage gegen ihn, bis zum Urteil ist er gegen Auflagen frei. Unter anderem musste Weinstein eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar zahlen, erhielt ein Überwachungsgerät und gab seinen Pass ab. Außerdem muss er um Erlaubnis fragen, wenn er die US-Bundesstaaten New York und Connecticut verlassen will.

An die Öffentlichkeit kam der Fall durch Recherchen der New York Times und des New Yorker im Oktober 2017. Wenige Tage später entließ ihn sein Filmstudio, The Weinstein Company. Inzwischen ist es insolvent. 

Auf den Skandal folgte eine Solidaritätswelle mit den mutmaßlichen Opfern: Prominente wie Meryl Streep oder Judi Dench distanzierten sich von Weinstein, ebenso seine Ehefrau Georgina Chapman. Millionen Frauen teilten unter dem Hashtag #MeToo eigene Erfahrungen mit sexueller Belästigung, es gab weltweit Protestmärsche. Im Zuge dessen wurden zahlreiche weitere Vorwürfe gegen Prominente öffentlich, unter anderem gegen den US-Schauspieler Bill Cosby und den deutschen Regisseur Dieter Wedel.