Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) kann sich notfalls Burkinis für muslimische Schülerinnen im Schwimmunterricht vorstellen. "Für mich ist das Vermitteln einer Überlebenstechnik wichtiger als die Badebekleidung", erklärte Giffey auf ihrer Facebook-Seite. Sie stellte zugleich klar, dass sie das Tragen von Burkinis im Schwimmunterricht nicht befürworte.

Die Ministerin hatte sich am Sonntagabend auf einer Veranstaltung der ZEIT offen dafür gezeigt, dass muslimische Schülerinnen auch Burkinis tragen. Am wichtigsten sei, dass "alle schwimmen lernen", sagte Giffey. Wenn Schulen die Teilnahme am Schwimmunterricht förderten, indem sie Burkinis erlaubten, sei das nicht gerade optimal und eine schwierige Situation – aber ein pragmatischer Weg.

"Konsequent müssen wir darin sein, dass alle Kinder am Schwimmunterricht teilnehmen", sagte die SPD-Politikerin. Wichtig sei, dass der Bildungsauftrag im Vordergrund stehe und die Sache "nicht hochstilisiert wird zum Untergang des Abendlands".

Nun stellte Giffey in einer auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichten Stellungnahme klar, dass sie das Tragen von Burkinis zu keinem Zeitpunkt für unproblematisch erklärt habe. Doch Schwimmen sei "Teil des Sportunterrichts und damit Schulpflicht". Diese sei durchzusetzen.

ZEIT MATINEE - „Es gibt ein paar Männer, die alle auf dem Ego-Trip sind“ Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sprach auf der ZEIT MATINEE über den Konflikt von CDU und CSU, eine gesetzliche Frauenquote und ihre Pläne für den Kita-Ausbau. © Foto: Phil Dera für DIE ZEIT

"Burkini-Pseudodebatten"

Wenn Schulleiter vor Ort eine pragmatische Lösung fänden, sei das zwar nicht optimal, aber sie finde nicht, "dass sich Bundespolitiker darüber erheben sollten", schrieb die SPD-Politikerin. Eine Ausstattung von Schulen mit Burkinis aus öffentlichen Geldern lehne sie ab.

Für Schlagzeilen hatte vor Kurzem ein Gymnasium im nordrhein-westfälischen Herne gesorgt, das Burkinis kostenlos an Schülerinnen verleiht. Vor allem aus der Union kam Kritik. CDU-Vizechefin Julia Klöckner warf der Schule vor, ein "frauendiskriminierendes Rollenverständnis" zu stärken.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, kritisierte in der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass "Burkini-Pseudodebatten" von den eigentlichen Problemen ablenkten. Der eigentliche Skandal seien marode und geschlossene Schwimmhallen, fehlende Bademeister und Schüler, die nicht richtig oder gar nicht schwimmen könnten.

Die Idee, Burkinis notfalls zuzulassen, nannte Mazyek einen "vernünftigen und gangbaren Kompromiss". Doch immer wenn vernünftige Kompromisse gefunden würden, wie religiöse Gebote und Schulpflicht vereinbart werden könnten, "heulen die Islamkritiker reflexartig wieder auf und wollen der ohnehin durch das Angstthema Islam verunsicherten Gesellschaft weismachen, hinter all dem stecke der Extremismus". Das sei eine "schäbige Debattenkultur".