Proisraelischer Aktionismus wird oft als ein jüdisches Anliegen wahrgenommen, dabei kommt die größte zionistische Organisation der Welt ebenfalls aus der christlich-fundamentalistischen Ecke: die Christians United for Israel (CUFI) mit ihren mehr als zwei Millionen Mitgliedern. Ihr Anführer, der texanische Pastor John Hagee, denkt, dass Hitler eine göttliche Rolle erfüllt hat: "Die Angst vor Hitlers Nazis führte die Juden zurück in die einzige Heimat, die für sie von Gott vorgesehen wurde: nach Israel." Hagee glaubt ebenfalls daran, dass je schneller die Juden nach Israel ziehen, desto früher die Endzeit kommt.

Die CUFI und ihre christlichen Großspender unterstützen Projekte, die ein sehr positives Bild des Staates Israel zeichnen, um diese Massenemigration zu beschleunigen. Sie waren diejenigen, die Donald Trumps Entscheidung, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, am lautesten begrüßt haben. Hagee, ein regelmäßiger Gast Trumps, sprach den Segensspruch am Ende der Eröffnung der Botschaft in Jerusalem am 14. Mai dieses Jahres. Auf der gleichen Veranstaltung wurde das Gebet von einem anderen texanischen Pastor, Robert Jeffress, gehalten. Laut Jeffress, der ein engagierter Zionist ist, kommen alle Juden in die Hölle, wenn sie Jesus nicht als Messias anerkennen. Währenddessen verurteilte die US-amerikanische jüdische Gemeinschaft ganz eindeutig die Verlegung der Botschaft. Laut einer Umfrage der konservativen Lobbyorganisation American Jewish Committee aus dem Jahr 2017 unterstützen nur 16 Prozent der Juden die Verlegung der Botschaft, 80 Prozent sind dagegen.

Jüdische Gemeinden grenzen sich nicht nur in den USA oft von christlichen Fundamentalisten ab, sondern auch in Deutschland. Auch von Marsch-des-Lebens-Veranstaltungen, wie zum Beispiel die Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, die sich zusammen mit Vertretern der evangelischen Landeskirche von einem für April 2015 geplanten Marsch zur KZ-Gedenkstätte in Dachau distanzierten. Sie sahen bei den Initiatoren "theologische Sonderwelten" und eine Vermischung "dämonologischer Deutungen des Nationalsozialismus" mit "psychologischen, genetischen und biblizistischen" Elementen.

Wusste Klein, bei wem er mitläuft?

Für einen weiteren Marsch nach Kiel erhielten die Veranstalter ähnliche Absagen: "Bei den Veranstaltern handelt es sich um fundamentalistische Christen", die damit beschäftigt seien, "Juden für ihre Gruppe zu missionieren", kritisierte zum Beispiel Wolfgang Seibert, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Pinneberg, laut einem lokalen Magazin. Im Jahr 2017 weigerte sich die jüdische Gemeinde in Dresden, sich dem dortigen Marsch anzuschließen.

Israel ist für Juden weltweit ein Plan B, ein Schutzort vor dem Antisemitismus in der Welt, vor allem in Europa. Für christliche Fundamentalisten geht es aber um die Versammlung des "geheiligten Volkes" und dessen Bekehrung zur "wahren Religion", also zum Christentum.

Wusste Felix Klein, bei wem er da mitläuft? Was hält er von den Ansichten der TOS-Gemeinde und denen anderer christlicher Fundamentalisten? Der neue Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung hat auf Anfragen von ZEIT ONLINE dazu nicht reagiert.