Im vergangenen Jahr haben deutlich weniger Menschen in der Europäischen Union Asyl beantragt als im Vorjahr. Insgesamt gab es 728.470 Asylanträge 2017 in der EU und damit 44 Prozent weniger als 2016, teilte das Europäische Unterstützungsbüro für Asylanfragen (EASO) mit. Vorläufige Daten aus den ersten Monaten dieses Jahres deuten darauf hin, dass es 2018 noch weniger Anträge geben dürfte: Der Behörde zufolge wurden in diesem Jahr bislang durchschnittlich 50.000 Asylanträge pro Monat gestellt.

Zudem sprachen die Behörden der EASO zufolge weniger Menschen den Flüchtlingsstatus zu. Vor zwei Jahren wurden noch 55 Prozent der Asylbewerber anerkannt, 2017 nur noch 50 Prozent. Auch die Fälle, in denen Migranten subsidiären Schutz erhielten, gingen leicht zurück. Der Anteil derjenigen, denen die Behörden humanitären Schutz gewährten, stieg hingegen von acht auf 15 Prozent an. 

Die Zahlen der EASO zeigen auch, dass immer mehr Migranten gegen die erste Asylentscheidung in Berufung gehen. Demnach verdoppelte sich zwischen 2016 und 2017 die Anzahl der Verfahren, in denen eine Entscheidung in der zweiten oder höchsten Instanz bis zum Ende des Jahres getroffen wurde.

Deutschland bleibt Hauptziel in der EU

Deutschland blieb der EASO zufolge trotz des starken Rückgangs Hauptziel für Asylbewerber in der EU. Hier registrierten die Behörden 2017 insgesamt 222.560 Anträge – im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um 70 Prozent. Damit stellte 2017 knapp ein Drittel der Asylbewerber in der EU (einschließlich Norwegens, der Schweiz, Liechtensteins und Islands) den Antrag in Deutschland. 2016 waren es der EASO zufolge noch mehr als die Hälfte, nämlich 58 Prozent. 

In anderen Ländern stiegen die Antragszahlen dagegen an. Italien verzeichnete nach Deutschland die höchste Zahl der Asylanträge: Sie stieg 2017 im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 128.850. In Frankreich wurden 99.330 Anträge registriert, 18 Prozent mehr als 2016. In Griechenland erhöhten sich die Antragszahlen um 15 Prozent auf 58.650.

Am stärksten stieg die Zahl der Asylbewerber in Rumänien, nämlich um 156 Prozent auf 4.815. Dem folgt Spanien mit einem Plus von 98 Prozent auf 31.120 Anträge. Dagegen registrierte Österreich einen ähnlich starken Rückgang wie Deutschland: Dort sanken die Antragszahlen um 42 Prozent auf 24.715.