Das Urteil im NSU-Prozess soll am heutigen Mittwoch fallen – nach einer jahrelangen schwierigen Verhandlung. Seit Mai 2013 stehen Beate Zschäpe und vier weitere Angeklagte vor dem Münchner Oberlandesgericht. Worum geht es, wie ist die Beweislage, was für ein Urteil ist zu erwarten und wie kann es danach weitergehen? Antworten auf die wichtigsten Fragen

Um welche Taten geht es vor Gericht?

Die Rechtsextremisten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen: acht Türken, einen Griechen und eine deutsche Polizistin. Zudem zündeten sie 2000 und 2004 zwei Bomben in Köln – mehr als 20 Menschen wurden bei dem zweiten Anschlag verletzt. Um ihr Leben im Untergrund zu finanzieren, begingen die Männer 15 Raubüberfälle. Als Mundlos und Böhnhardt am 4. November 2011 in ihrem Wohnmobil starben, legte Beate Zschäpe Feuer in dem Zwickauer Wohnhaus, in dem die drei zusammen gelebt hatten. Dass sie den Brand gelegt hat, hat Zschäpe im Prozess gestanden.

Welche Rolle spielte Beate Zschäpe?

Die Angeklagte Beate Zschäpe im Gerichtssaal © Michaela Rehle/Reuters

Der 43-jährigen Zschäpe wird die Mittäterschaft bei allen Morden, Bombenanschlägen und Raubüberfällen vorgeworfen – was Dutzende Fälle versuchten Mords einschließt. Angeklagt ist sie zudem wegen dreifachen versuchten Mordes durch besonders schwere Brandstiftung, denn zum Zeitpunkt des Brandes in dem Zwickauer Haus hielten sich darin Menschen auf. Hinzu kommt noch die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

In ihrer Aussage von 2015 stritt Zschäpe ab, in die Terrortaten eingeweiht gewesen zu sein und räumte lediglich die Brandstiftung ein. Auch vom Inhalt des 15-minütigen Videos, in dem sich der NSU zu seinen Taten bekennt, will sie nichts gewusst haben. 2011 hatte sie Briefe mit ebenjenem Video verschickt.

Die Bundesanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer vom September 2017 eine lebenslange Freiheitsstrafe für Zschäpe gefordert, zudem die besondere Schwere der Schuld bejaht und die Verhängung der Sicherungsverwahrung beantragt. Ihre Neuverteidiger forderten eine Strafe von maximal zehn Jahren. Ihre drei Altanwälte hingegen beantragten, Zschäpe sofort freizulassen, weil sie sich einzig der einfachen Brandstiftung schuldig gemacht und die Zeit dafür bereits verbüßt habe.

Welches Urteil droht ihr?

Fällt ein Urteil im Sinne der Anklage, käme Zschäpe wohl frühestens im fortgeschrittenen Rentenalter wieder in Freiheit. Verhängt das Gericht nicht nur lebenslange Haft, sondern stellt auch noch die besondere Schwere der Schuld fest, wäre eine Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Die Bundesanwaltschaft fordert zudem Sicherungsverwahrung – eine Maßnahme, mit der die Gesellschaft vor gefährlichen Täterinnen und Tätern geschützt werden soll. Grundlage ist das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Henning Saß. Dieser hatte Zschäpe als sogenannte Hangtäterin identifiziert, bei der in Freiheit erneut Straftaten zu erwarten seien.