Der Tunesier, der in seiner Kölner Wohnung hochgiftiges Rizin hergestellt haben soll, stand nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Kontakt zu Personen aus dem radikal-islamistischen Spektrum. Wie die Behörde mitteilte, wird ihre Kommunikation ausgewertet. Ob seine Kontaktpersonen Mitglieder einer terroristischen Vereinigung waren, werde derzeit untersucht. Der Mann war in Köln festgenommen worden, es wurde Haftbefehl erlassen.

Die bisherigen Erkenntnisse der Ermittler legen nahe, dass der Beschuldigte erwogen habe, einen Sprengsatz herzustellen. Wie weit er mit der Umsetzung seines Vorhabens gekommen sei, sei Gegenstand der Ermittlungen. 

Bei einer Durchsuchung fanden die Ermittler insgesamt 3.150 Rizinussamen sowie 84,3 Milligramm Rizin. Rizin zählt zu den biologischen Waffen und unterliegt dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Die Rizinussamen bezog der Mann den bisherigen Erkenntnissen nach über den Internetversandhandel. Woher, ist noch nicht ermittelt.

Darüber hinaus wurden unter anderem 250 Metallkugeln gefunden, zwei Flaschen acetonhaltiger Nagellackentferner, Drähte mit aufgelöteten Glühbirnen und ein graues Pulver.

Es habe konkrete Vorbereitungen zum Bau einer Biobombe gegeben, hatte BKA-Präsident Holger Münch dem RBB-Inforadio gesagt. Dies sei ein in Deutschland einmaliger Vorgang. Der Verhaftete habe sich an Bauanleitungen aus dem Internet orientiert – offensichtlich "auch von islamistischen Organisationen", sagte Münch. Welches Tatziel der Mann geplant habe, sei bislang aber nicht bekannt. Die Bundesanwaltschaft teilte nun mit, die Ermittlungen hätten "bislang keinerlei Anhaltspunkte für konkrete Anschlagsplanungen ergeben". Nach Mutmaßungen des Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen plante der Mann "sehr wahrscheinlich" einen Terroranschlag

"Der 'Islamische Staat' ist sehr geschwächt"

Münch lobte in dem Fall die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden – national wie international. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte nach eigenen Angaben Hinweise eines ausländischen Partnerdienstes erhalten. Polizisten nahmen den Mann daraufhin am Dienstag vergangener Woche in seiner Wohnung fest. Er sitzt nun wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz in Untersuchungshaft.

Das BKA sorge sich weiterhin angesichts der hohen Zahl von radikalisierten Einzelpersonen, sagte Münch weiter. "Der große geplante Anschlag, so wie wir das in Paris und Brüssel erlebt haben, den halten wir mittlerweile aber für weniger wahrscheinlich." Das läge vor allem daran, dass der sogenannte "Islamische Staat" doch sehr geschwächt sei. Aktuell seien von deutschen Behörden 770 Menschen als Gefährder eingestuft.