Der inhaftierte Tunesier, in dessen Kölner Wohnung hochgiftige Rizinsubstanzen gefunden wurden, ist laut Generalbundesanwalt "dringend verdächtig, vorsätzlich biologische Waffen hergestellt zu haben". Wie die Justizbehörde in Karlsruhe mitteilte, gibt es jedoch keine Anhaltspunkte für eine "konkretisierte Anschlagplanung" oder eine Mitgliedschaft des Beschuldigten in einer terroristischen Vereinigung.

Sicherheitsbehörden waren auf den Mann wegen auffälliger Interneteinkäufe aufmerksam geworden. Unter anderem hatte er bei einem Internetversandhändler 1.000 Rizinussamen und eine elektrische Kaffeemühle gekauft. "Anfang Juni 2018 setzte der Beschuldigte sein Vorhaben um und stellte erfolgreich Rizin her", teilte die Bundesanwaltschaft mit. "Dieses konnte bei dem Beschuldigten sichergestellt werden."

Es sei zwar "nicht abschließend geklärt", ob der Tunesier Sief Allah H. einen islamistisch motivierten Anschlag begehen wollte, hieß es weiter. Aber: "Vor diesem Hintergrund besteht derzeit kein dringender Tatverdacht wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat." Auch Hinweise auf einen Ort oder einen Zeitpunkt für einen möglichen Anschlag gebe es nicht.

Haftbefehl erlassen

Nach dem Fund des hochgiftigen Rizins in seiner Kölner Hochhauswohnung hat der Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen den 29-jährigen Verdächtigen erlassen. Die Substanz war am Dienstag sichergestellt worden, nachdem Spezialkräfte die Wohnung des Mannes, in der er zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern lebte, gestürmt hatten. Die Frau wurde inzwischen wieder freigelassen. Laut des Sprechers der Anklagebehörde wird sie nicht beschuldigt.

Wie die Generalbundesanwaltschaft ebenfalls mitteilte, werde gegen den Tunesier auch noch wegen des Anfangsverdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. Hier bestehe aber kein dringender Tatverdacht, so der Sprecher. Weitere Details will die Behörde an diesem Donnerstag bekannt geben.