Für die 230 Flüchtlinge und ihre 17 deutschen Seenotretter an Bord der Lifeline hat das tagelange Ausharren auf dem Mittelmeer offenbar bald ein Ende. Das Rettungsschiff der Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline darf nach Angaben der italienischen Regierung einen Hafen auf Malta anlaufen. "Das Schiff der NGO Lifeline wird in Malta anlegen", sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte. Er habe mit dem maltesischen Premierminister Joseph Muscat telefoniert.

Die Hilfsorganisation selbst hat aber noch keine Bestätigung für die Einfahrt nach Malta, wie ein Sprecher ZEIT ONLINE mitteilte. "Seit Tagen müssen wir auf Twitter nachlesen, was mit uns passiert. Kaum eine direkte Nachricht", teilte Lifeline bei Twitter mit. Am Abend hieß es dann: "Wir haben um 6 Uhr abends eine Nachricht von Malta erhalten, wonach wir keine Genehmigung erteilt bekommen, in ihre Gewässer einzulaufen. Wir können daher die Berichte in den Medien nicht bestätigen."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilte unterdessen am Abend mit, der maltesische Premier Joseph Muscat habe europäische Solidarität organisiert. Auch sein Land sowie weitere europäische Länder wollten Migranten der Lifeline aufnehmen. Die Zahl sei jedoch begrenzt, es seien "mehrere Dutzend" Menschen pro Land.

Solidarisch zeigte sich auch Italien – das Land, das sich in den letzten Tagen immer wieder geweigert hatte, Rettungsschiffe mit Hunderten Migranten an Bord an Land zu lassen. Regierungschef Conte sagte, sein Land werde "einige" der 230 Flüchtlinge an Bord des Schiffes aufnehmen. Dies habe er Muscat zugesagt.

Muscat hatte sich bereits zuvor bereit erklärt, das Rettungsschiff anlegen zu lassen – allerdings nur dann, wenn die Flüchtlinge an Bord auf andere EU-Länder verteilt würden. Mit ihrer Breitschaft, Flüchtlinge von dem Schiff aufzunehmen, erfüllen Italien und Frankreich nun diese Bedingungen Maltas.

Die Lifeline schwimmt seit mehreren Tagen in internationalen Gewässern, zuletzt etwa 40 Kilometer von Malta entfernt. Sowohl die dortigen Behörden als auch jene in Italien hatten dem Schiff die Einfahrt in ihre Häfen verweigert. Wann genau das Schiff nun in Malta anlegen darf, ist noch offen.