Zwei Abgeordnete der Grünen und einer der Linkspartei haben das im Mittelmeer blockierte deutsche Rettungsschiff Lifeline besucht. Von den Grünen waren es die flüchtlingspolitische Sprecherin Luise Amtsberg und ihr Fraktionskollege Manuel Sarrazin. Sie erreichten von Malta aus das Schiff und blieben mehrere Stunden. Die Situation dort sei nicht nur belastend, sondern auch gefährlich, "sowohl für die Geflüchteten als auch fürdie deutsche Crew an Bord", schilderte Amtsberg die Lage an Bord. "Bereits jetzt ist die hygienische und medizinische Situation prekär. Es darf nicht sein, dass der Streit über europäische Zuständigkeiten Menschenleben in Gefahr bringt."

Auch der der Linke-Abgeordnete Michel Brandt war für mehrere Stunden an Bord der Lifeline, wie er sagte. "Die Situation vor Ort ist eine humanitäre Katastrophe", beschrieb er die Lage und forderte die Bundesregierung auf, die Menschen aufzunehmen. "25 Seemeilen von einem europäischen Hafen entfernt warten Menschen auf Hilfe und die Bundesregierung schweigt: Das ist eine Bankrotterklärung an die menschenrechtliche Verantwortung."

Bestausgerüstete Schiff der Region

Seit Donnerstag ist das Boot der Dresdner Organisation Mission Lifeline auf dem Mittelmeer blockiert. Es hatte 224 Flüchtlinge vor dem libyschen Tripolis aus Seenot gerettet und an Bord genommen. Seitdem bewegte sich das Schiff bis etwa 100 Kilometer vor Malta und wartet auf die Zustimmung eines europäischen Landes, anlegen zu dürfen. Derzeit wird die Lifeline von anderen Schiffen mit dem Notwendigsten versorgt, wie Axel Steier ZEIT ONLINE sagte, Mitgründer der Hilfsorganisation Mission Lifeline. 

Amtsbergs Fraktionskollege Manuel Sarrazin prangerte an, dass "das Schicksal dieser Menschen zum Faustpfand im Streit über die europäische Asylpolitik" werde. Beide Grünenpolitiker riefen die Bundesregierung auf, sich für eine rasche Lösung einzusetzen. 

Das Schiff ist unter niederländischer Flagge im Einsatz. Die Hilfsorganisation hatte sich in den vergangenen Tagen gegen den Vorwurf zu verteidigen, das Schiff fahre gar nicht unter niederländischer Flagge. Dies sei ein Versuch, die Arbeit der Seenotretter zu kriminalisieren, teilte die Organisation mit. Auch habe die italienische Regierung ihr vorgeworfen, gar nicht ausreichend für die Rettung so vieler Flüchtlinge gerüstet zu sein. Mission Lifeline entgegnete, ihr Schiff sei das bestausgerüstete in der Region gewesen, auf jeden Fall besser gerüstet als die Schiffe der libyschen Küstenwache.  

Die Bundesregierung verhält sich abwartend. Man heiße die humanitäre Arbeit der Seenotretter im Grundsatz gut, sagte eine Regierungssprecherin. In erster Linie sei die Lösung des Konflikts aber Sache des Staates, unter dem das Schiff unterwegs ist.