Neben den 630 Flüchtlingen des Rettungsschiffes Aquarius hat Spanien seit Freitag mehr als 1.400 weitere Migrantinnen und Migranten aufgenommen. Im Alborán-Meer im westlichen Teil des Mittelmeers sowie vor der Küste der Kanaren seien aus mehr als 70 Booten insgesamt 1.412 Menschen gerettet worden, teilte der Seerettungsdienst mit. Man habe zudem zwischen Freitag und Montagmittag vier Leichen geborgen und suche nach 43 Menschen auf zwei als vermisst gemeldeten Booten, hieß es.

Auch am heutigen Montag war die spanische Küstenwache mehrfach im Einsatz. Sie habe drei Schlauchboote mit insgesamt 102 Menschen entdeckt, ein weiteres Rettungsschiff habe 50 Menschen in die Stadt Almería gebracht. Die Rettungskräfte suchten noch nach einem Boot mit 54 Menschen an Bord. Es wurde in der Nähe der Straße von Gibraltar vermutet.

In diesem Jahr sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 13.000 Migranten über das Mittelmeer nach Spanien gelangt. Dass die Boote derzeit vermehrt vor der spanischen Küste auftauchen, liegt unter anderem daran, dass sich Italien und Malta zuletzt geweigert hatten, Schiffe mit Migrantinnen und Migranten an Land zu lassen. Prominentester Fall in jüngster Zeit war die Aquarius, ein Schiff der Hilfsorganisationen SOS Mediterranée und Ärzte ohne Grenzen. Es hatte vor gut einer Woche 630 Menschen im Mittelmeer aufgelesen. Erst am Sonntag erhielten sie die Erlaubnis, an Land zu gehen – im ostspanischen Valencia.

Migration - Rettungsschiff "Aquarius" in Valencia angekommen Die Geflüchteten an Bord der "Aquarius" haben eine tagelange Irrfahrt über das Mittelmeer hinter sich. Im Hafen der spanischen Stadt Valencia durften sie nun das Schiff verlassen. © Foto: Reuters

Frankreich bietet Spanien Unterstützung an

Nach Angaben der stellvertretenden Regierungschefin Carmen Calvo hat sich die französische Regierung bereit erklärt, Spanien zu entlasten und Geflüchtete aufzunehmen. Etwa die Hälfte der Aquarius-Passagiere wolle in Frankreich Asyl beantragen, sagte Calvo.

Ihre erste Nacht in Spanien verbrachten die meisten Aquarius-Flüchtlinge in verschiedenen Unterkünften. Zehn Menschen wurden am Montag in Krankenhäusern behandelt, wie die Regionalregierung in Valencia mitteilte. Wo die Migrantinnen und Migranten untergebracht wurden, wird von den Behörden geheimgehalten.

Die spanische Regierung hat den Geflüchteten vorerst eine 45-tägige Aufenthaltserlaubnis erteilt, um ihren Rechtsstatus zu klären. Ihren Angaben zufolge waren auf der Aquarius Menschen mit 31 Nationalitäten vertreten. Die meisten kämen aus dem Sudan, Algerien, Eritrea und Nigeria. 68 Minderjährige seien unter ihnen, darunter 46 unbegleitete.