Der Verdächtige im Mordfall Susanna F. ist nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in Frankfurt am Main angekommen. "Ich bin froh, dass der von der deutschen Justiz gesuchte, mutmaßliche Täter wieder in Deutschland ist", erklärte Seehofer in Berlin. So könne das Ermittlungsverfahren schnell vorangetrieben werden. Der Verdächtige soll direkt nach seiner Rückkehr vernommen werden.

Die erste Befragung von Ali B. ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur noch für die Nacht zum Sonntag geplant. Zuständig für die Vernehmung ist demnach das Polizeipräsidium Westhessen mit Sitz in Wiesbaden. Am Sonntag werde der 20-Jährige dann einem Richter vorgeführt, der den Haftbefehl eröffne.

B. soll kurdischen Ermittlern zufolge noch im Irak die Tötung des 14-jährigen Mädchens aus Mainz gestanden haben. Demnach habe er ausgesagt, bei einem Ausflug im Wald mit Susanna F. Alkohol getrunken und Drogen genommen zu haben, sagte der Polizeichef der nordirakischen Stadt Dohuk, Tarek Ahmed, in einem Interview mit Reuters TV. Dabei sei es zu einem Streit gekommen, weswegen F. die Polizei rufen wollte. Der Verdächtige habe gewusst, "dass es eine schwerwiegende Anklage geben würde, weil sie unter 18 ist", sagte Ahmed weiter. Als sie darauf beharrt habe, die Polizei zu rufen, habe B. sie getötet.

B. sei daraufhin ins nordirakische Dohuk gereist, wo er sich in einem Hotel aufgehalten habe. "Als ihm klar wurde, dass die Polizei nach ihm fahndet, ist er nach Sacho abgereist, um bei Verwandten unterzuschlupfen", sagte Ahmed. Dort sei er von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen worden. "Wir arbeiten in diesem Fall eng mit Deutschland, den europäischen Ländern und Interpol zusammen", sagte Ahmed.

Merkel fordert konsequente Ahndung des Mordes

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Festnahme des Tatverdächtigen und dessen Rückführung nach Deutschland. "Das unfassbare Leid, das der Familie und dem Opfer widerfahren ist, bewegt jeden und erfasst auch mich", sagte sie am Rande des G7-Gipfels in Kanada. Sie sprach von einem "abscheulichen Mord" und plädierte für eine entschiedene Ahndung solcher Straftaten. Wenn die Tat bewiesen sei, müsse die Justiz "mit aller Klarheit ein Urteil sprechen".

Merkel wertete den Fall als Aufforderung an alle, Integration ernst zu nehmen und für gemeinsame Werte einzustehen. "Wir können nur zusammenleben, wenn wir uns gemeinsam an unsere Gesetze halten", sagte sie. Die Kanzlerin lobte auch die gute Zusammenarbeit mit den kurdischen Sicherheitsbehörden.

Susanna F. war am 22. Mai nicht nach Hause gekommen. Ihre Leiche wurde am 6. Juni gefunden. Sie wurde vergewaltigt und dann getötet. Ihr Fall hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt, vor allem deshalb, weil es B. gelang, das Land zu verlassen und er bereits im Irak war, als die Polizei ihn der Tat verdächtigte.

Die Familie hatte Flugtickets unter falschen Namen gebucht. Weil sie bei der Kontrolle der Bundespolizei aber gültige Ausweisdokumente vorlegen konnten und die Beamten die Flugtickets nicht damit abglichen, konnte die Familie ausreisen.

Die Familie hatte sogenannte Laissez-passer-Papiere in arabischer Sprache bei sich, die von der irakischen Botschaft ausgestellt wurden. Botschaften können solche Ersatzpapiere ausstellen, wenn der Reisepass abhanden gekommen oder nicht mehr gültig ist.