Die drei ursprünglichen Pflichtverteidiger von Beate Zschäpe im NSU-Prozess haben die sofortige Freilassung der Hauptangeklagten verlangt. Die heute 43-jährige mutmaßliche Rechtsterroristin sei von den angeklagten Morden und Anschlägen freizusprechen, sagte Rechtsanwalt Wolfgang Heer in seinem Plädoyer vor dem Oberlandesgericht München. Zschäpe sei "keine Terroristin, keine Mörderin und keine Attentäterin". Sie habe keine Morde geplant, keine Waffen beschafft, an den Taten insgesamt nicht mitgewirkt und die Verbrechen ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt "auch nicht vom Küchentisch gesteuert".

Zschäpe könne lediglich belangt werden für die Brandlegung in der letzten Fluchtwohnung in Zwickau, sagte Heer. In diesem Fall sei sie wegen einfacher Brandstiftung zu verurteilen. "Dies ist alles, was von der Anklage des Generalbundesanwalts übrig bleibt", sagte Heer.

Ein konkretes Strafmaß forderte der Anwalt nicht. Er argumentierte aber, dass die maximal mögliche Strafe mit Zschäpes Untersuchungshaft abgegolten wäre. Der Tatbestand der einfachen Brandstiftung sehe eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren vor, sagte Heer. Zschäpe befinde sich seit sechs Jahren und sieben Monaten in Untersuchungshaft. Dort habe ihr Verhalten keinen Anlass zur Beschwerde gegeben. Daher sei die sofortige Haftentlassung geboten.

Zschäpe wird neben den drei ihr zugeordneten Pflichtverteidigern von zwei weiteren Vertrauensanwälten vertreten, die sie sich selbst gesucht hatte. Mathias Grasel und Hermann Borchert hatten in ihren Plädoyers eine maximal zehnjährige Haftstrafe gefordert, wegen besonders schwerer Brandstiftung und Beihilfe zu Raubüberfällen.

Das Verhältnis von Zschäpe zu den Pflichtverteidigern ist zerrüttet. Sie hatten ihr in dem Prozess geraten, zu schweigen. Zschäpe wollte das nicht mittragen und nahm sich die beiden zusätzlichen Anwälte. Danach äußerte sie sich in der Verhandlung – zunächst, indem sie Antworten auf Fragen des Gerichts verlesen ließ. Später ergriff sie auch selbst das Wort und verlas Erklärungen. Anträge Zschäpes, sich von den Pflichtverteidigern trennen zu können, hatte das Oberlandesgericht mehrmals abgelehnt.

Die Bundesanwaltschaft hatte für Zschäpe lebenslange Haft und anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Nach Überzeugung der Anklage war Zschäpe eines von drei gleichberechtigten Mitgliedern der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund und sollte deshalb als Mittäterin an sämtlichen Verbrechen der Gruppe bestraft werden. Dazu zählen zehn Morde, neun davon aus rassistischen Motiven, einer an einer deutschen Polizistin sowie zwei Bombenanschläge.