Ginge es nach Wolfgang Heer, wäre Beate Zschäpe jetzt eine freie Frau. Sie würde das Untersuchungsgefängnis Stadelheim verlassen, nach sechseinhalb Jahren Untersuchungshaft als Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Denn für ihren Verteidiger Heer ist Zschäpe im Sinne der Anklage weitgehend unschuldig.

"Beate Zschäpe ist keine Terroristin, keine Mörderin, keine Attentäterin", sagt Heer. Damit beginnt das letzte Plädoyer im Münchner NSU-Prozess, gehalten von Heer, Anja Sturm und Wolfgang Stahl – den Pflichtverteidigern, die seit Prozessbeginn Zschäpes Beistände sind. Mit ihnen hatte sich Zschäpe schon vor Längerem überworfen. Mindestens bis Donnerstag soll das Plädoyer dauern.

Strafe nur für Brandstiftung?

Heer widerspricht der Bundesanwaltschaft, die eine lebenslange Freiheitsstrafe mit besonderer Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung für Zschäpe gefordert hatte. Sie sei von allen Terrorverbrechen des NSU freizusprechen – also der Mittäterschaft an zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und 15 Raubüberfällen, außerdem der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Zudem sei sie unverzüglich freizulassen.

Es ist bereits das zweite Plädoyer für Zschäpe. Das erste hatten ihre neuen Anwälte Hermann Borchert und Mathias Grasel gehalten, denen die Mandantin als einzige Verteidiger noch vertraut. Heer, Stahl und Sturm hatte Zschäpe loswerden wollen.

Dabei unterbieten die drei die Forderung ihrer Kollegen deutlich: Heer beantragt, Zschäpe ausschließlich wegen einfacher Brandstiftung zu verurteilen. Zschäpe hatte vor ihrer Flucht am 4. November 2011 die zuvor mit ihren Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bewohnte Wohnung in Zwickau angezündet, um Beweise zu vernichten. Weil im Haus an dem Tag zwei Handwerker arbeiteten und eine alte Frau daheim war, ist die Tat als besonders schwere Brandstiftung und versuchter Mord angeklagt. Diese Wertung will keiner der Verteidiger gelten lassen.

Anwalt hält Verfahren für unfair

Die beiden Neuverteidiger hatten eine Strafe von maximal zehn Jahren wegen Beihilfe zu den Raubüberfällen und Brandstiftung gefordert. Heer nennt keine konkrete Forderung, ist aber sicher, dass eine Haftstrafe dafür mit den sechseinhalb Jahren im Untersuchungsgefängnis längst abgegolten ist. Mehr noch: Zschäpe stehe sogar eine "Kompensation" zu – wegen einer "Vielzahl von Fairness-Verstößen" in dem Verfahren.