Knapp ein halbes Jahr nach dem Mord an einer Schülerin in Kandel beginnt heute vor dem Landgericht Landau in Rheinland-Pfalz der Prozess gegen den Tatverdächtigen. Angeklagt ist der ehemalige Freund des 15 Jahre alten Mädchens, ein mutmaßlich aus Afghanistan stammender Flüchtling.

Abdul D. soll sein Opfer am 27. Dezember in einem Drogeriemarkt vor Zeugen erstochen haben. Frühere Angaben des Tatverdächtigen, erst 15 Jahre alt zu sein, gelten zwar als widerlegt. Da sein Alter aber nicht abschließend geklärt ist, wird der Prozess nach dem Jugendstrafrecht geführt und findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Gericht setzte bis Ende August 13 Verhandlungstage an. Der Fall hatte auch die Debatte über die Altersfeststellung von jungen Flüchtlingen neu angefacht.

Angesichts der Tat forderte zum Beispiel Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), damals noch saarländische Ministerpräsidentin, bundeseinheitliche Verfahren zur Altersfeststellung von mutmaßlich minderjährigen Asylbewerbern. Es sei das "gute Recht des deutschen Staates", mit ärztlichen Tests zu klären, ob die Altersangaben mutmaßlich minderjähriger Migranten medizinisch nachvollziehbar seien, sagte sie im ZDF. Der ehemalige innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer (CSU), forderte in Zweifelsfällen eine Überprüfung des Alters von Flüchtlingen schon beim Eintreffen in Deutschland.

Die Bundesärztekammer lehnt flächendeckende ärztliche Untersuchungen zur Feststellung des Alters dagegen ab. Das Röntgen des Handgelenks ohne medizinische Notwendigkeit sei "ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit", sagte der Präsident der Kammer, Frank Ulrich Montgomery, damals der Süddeutschen Zeitung.

Das Verfahren wurde am Montag kurz nach dem Auftakt unterbrochen. Der Verteidiger des Angeklagten Abdul D., Maximilian Endler, beantragte nach eigenen Angaben vor dem Landgericht Landau den Austausch des Dolmetschers. Dieser habe unzureichend übersetzt. Das habe er beurteilen können, auch wenn er die afghanische Landessprache Dari selbst nicht spreche. Seinem Antrag sei stattgegeben worden. Noch am Montag sollte ein neuer Dolmetscher erscheinen und der Prozess fortgesetzt werden.