Ein katholisches Erzbistum im US-Bundesstaat Minnesota hat sich mit Hunderten Missbrauchsopfern auf eine Entschädigung geeinigt. Demnach werde die Erzdiözese Saint-Paul und Minneapolis eine Summe von 210 Millionen US-Dollar in einen Fonds zahlen, teilte Erzbischof Bernard Hebda mit.

Vom Großteil des Geldes sollen die Missbrauchsopfer entschädigt werden, teilte der Anwalt Jeff Anderson mit. Zugleich soll daraus das Insolvenzverfahren des vom Bankrott bedrohten Erzbistums finanziert werden. Die Vereinbarung muss noch gerichtlich gebilligt werden.

Nach der Einigung entschuldigte sich Hebda bei den Opfern. Ihnen seien Kindheit, Vertrauen und in vielen Fällen auch der Glaube gestohlen worden. "Die Kirche hat Sie fallengelassen, ich bin wirklich betrübt", sagte der Erzbischof. Das Bistum zahle ihnen nun die höchstmögliche Entschädigung.

91 Priester sollen schuldig sein

Insgesamt sollen sich in den vergangenen Jahrzehnten 91 Priester aus dem Erzbistum des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben. Erzbischof John Nienstedt war 2015 wegen des Vorwurfs zurückgetreten, das Erzbistum habe beim Schutz Minderjähriger versagt. Darauf ernannte Papst Franziskus den heute 58-jährigen Hebda zu dessen Nachfolger.

Die Opfer reagierten mit Erleichterung auf die Einigung – die Auseinandersetzungen hatten über Jahre angedauert. Zugleich verwiesen sie aber darauf, dass die entstandenen seelischen Schäden weiter fortbestünden. Das Abkommen wurde durch ein 2013 in Minnesota verabschiedetes Gesetz möglich, das eine Strafverfolgung auch bei bereits verjährten Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch möglich macht.

In den vergangenen Jahren wurden in der katholischen Kirche zahlreiche Vorwürfe des Kindesmissbrauchs öffentlich. Der Kirche war dabei immer wieder vorgeworfen worden, Verdächtige in den eigenen Reihen zu schützen. Die ausgehandelte Entschädigungssumme ist die zweithöchste, die jemals von einem US-Bistum für Missbrauchsopfer zur Verfügung gestellt wurde. 2007 zahlte die Erzdiözese Los Angeles 660 Millionen US-Dollar an 508 Opfer.