Mehrere Politiker haben nach dem gewaltsamen Tod der 14-jährigen Susanna F. aus Mainz Aufklärung darüber gefordert, wie sich der Tatverdächtige trotz Unklarheiten über seine Identität offenbar in seine Heimat Irak absetzen konnte. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sagte der Zeitung Bild, es müsse "rasch geklärt werden, wie der Tatverdächtige entkommen konnte und wie er möglichst schnell in Deutschland vor Gericht gestellt werden" könne.

CDU-Innenpolitiker Armin Schuster sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung, es stelle sich die Frage, warum der Tatverdächtige, der bereits polizeilich in Erscheinung getreten sei, "nicht längst in Untersuchungshaft war". Der CDU-Obmann im Innenausschuss des Bundestages forderte, dass Staatsanwaltschaften und Gerichte den Rechtsrahmen "offensiv ausschöpfen" müssten.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, sagte der Bild, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) müsse "dafür sorgen, dass die vorhandenen Kontrollmechanismen bei Ein- und Ausreisen auch genutzt werden". Bei "solch fragwürdigen Papieren" wie im Fall des Tatverdächtigen "und angesichts des Reiseziels hätte die Bundespolizei mit einem einfachen Fingerabdruckvergleich feststellen können, dass hier ein Krimineller auf der Flucht ist".

Auch SPD-Politiker Karl Lauterbach sagte der Bild, es müsse "schnellstens geklärt werden, wieso ein Verdächtiger ins Flugzeug steigen kann, obwohl seine Identität nicht klar ist". Die deutschen Behörden müssten "alles tun, damit der Mann ausgeliefert und nach Deutschland zurückgebracht wird". Die Tat dürfe "nicht ungesühnt bleiben". Ähnlich äußerte sich der Grünen-Politiker Omid Nouripour. Der Mann müsse ausgeliefert werden, ihm müsse "hier der Prozess gemacht werden", forderte er in der Bild.

"Asylsystem grundlegend umgestalten"

Der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff sagte dem Blatt: "Das ist typisch für unsere deutschen Sicherheitsbehörden. Es gibt einfach zu viele Lücken in diesem System." Das sei "seit Langem verantwortet von der CDU".

Die vor zwei Wochen vermisst gemeldete Susanna war vergewaltigt und getötet worden. Das hatten die Ermittler in Wiesbaden am Donnerstag mitgeteilt. Zunächst war von zwei mutmaßlichen Tätern die Rede. Ein zunächst festgenommener 35-Jähriger wurde jedoch noch am Donnerstagabend wieder freigelassen.

Bei dem anderen Verdächtigen handelt es sich um den 20-jährigen Iraker, der sich Anfang Juni mit seiner Familie von Düsseldorf aus erst nach Istanbul und von dort aus weiter nach Erbil im Nordirak abgesetzt haben soll. Die Flugtickets waren dabei laut Polizei auf andere Namen ausgestellt. Ein Abgleich mit den Namen auf den Aufenthaltsgenehmigungen fand demnach nicht statt.