Die tagelang vermisste Jugendliche Susanna F. aus Mainz ist nach Erkenntnissen der Polizei ermordet und vermutlich zuvor vergewaltigt worden. Die Polizei nahm einen Tatverdächtigen vorübergehend fest, entließ ihn aber im Laufe des Tags wieder. Der Tatverdacht gegen den 35-jährigen türkischen Staatsbürger habe sich nicht erhärtet, teilte die Polizei mit.

Der andere Verdächtige, ein 20 Jahre alter Flüchtling aus dem Irak, befindet sich laut Polizei auf der Flucht in sein Herkunftsland. Nach diesem werde dort gefahndet. Die getötete Jugendliche kannte nach Angaben des westhessischen Polizeipräsidenten Stefan Müller den Bruder des tatverdächtigen Irakers und war ab und zu in der Unterkunft des Flüchtlings. 

Nach Angaben Müllers ist der bereits polizeibekannte Verdächtige vermutlich am vergangenen Donnerstag mit seiner Familie überhastet abgereist. Möglich war das, weil die Verdachtsmomente gegen den 20-Jährigen nicht ausreichten, ihn zu inhaftieren. Zuletzt lebte die Familie aus Vater, Mutter, dem Verdächtigen und dessen fünf Geschwistern demnach in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim und flog von Düsseldorf aus nach Istanbul und von dort aus weiter ins irakische Erbil.

Polizeipräsident Müller zufolge waren auf den Flugtickets andere Namen angegeben als auf den ebenfalls am Flughafen vorgelegten Aufenthaltspapieren für Deutschland. Ihm zufolge hatte die Familie auch sogenannte Laissez-passer-Dokumente in arabischer Sprache und mit Passbildern bei sich, die von der irakischen Botschaft ausgestellt wurden. Laut Müller waren am Flughafen die Passfotos, aber nicht die Namen abgeglichen worden.  Botschaften zum Beispiel können solche Passersatzpapiere ausstellen, wenn der Reisepass abhanden gekommen oder nicht mehr gültig ist. Ein zur Ausreise verpflichteter abgelehnter Asylbewerber kann Deutschland mit dem Papier schnell und unbürokratisch verlassen. Es berechtigt zur einmaligen Einreise und ist wenige Tage gültig. 

Leiche in schwer zugänglichem Gebiet

Ihre Mutter hatte die 14-Jährige am 22. Mai als vermisst gemeldet, wie die Polizei mitteilte. Sie war mit Freunden in der Wiesbadener Innenstadt unterwegs gewesen und abends nicht wie abgesprochen nach Hause zurückgekehrt.

Bei der Polizei gingen daraufhin mehrere Zeugenhinweise ein, die auf ein Verbrechen hindeuteten. Nach längerer Suche fand die Polizei dann am Mittwochnachmittag in einem schwer zugänglichen Gelände bei Wiesbaden-Erbenheim eine weibliche Leiche. Eine DNA-Überprüfung habe zweifelsfrei ergeben, dass es sie die Leiche der Jugendlichen war, hieß es. 

Hinweis von 13-Jährigem

Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Achim Thoma wurde die Jugendliche erwürgt oder – mit einem Hilfsmittel – erdrosselt. Es besteht der Verdacht, dass Susanna zuvor vergewaltigt wurde, sagte er. Laut Obduktion der Leiche soll sich das bereits am Abend ihres Verschwindens abgespielt haben.

Einen entscheidenden Hinweis auf das Verbrechen bekamen die Ermittler nach eigenen Angaben von einem 13-Jährigen, der ebenfalls ein Flüchtling ist. In welcher Verbindung er zu den beiden Verdächtigen steht, ist unklar. Laut einem Bericht der Allgemeinen Zeitung soll ihm der 20-jährige Iraker verraten haben, dass er die Leiche des Mädchens vergraben hatte.

Wie der Zentralrat der Juden mitteilte, war Susanna – wie ihre Mutter es noch ist – Mitglied der Jüdischen Gemeinde Mainz.