Nach Aquarius wartet im Mittelmeer ein weiteres Schiff mit Migranten an Bord auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Es handelt sich dabei um das US-Marineschiff Trenton. Die US-Marine teilte mit, Trenton habe die schiffbrüchigen Migranten am Dienstag auf einer Routineoperation im Mittelmeer gefunden und geborgen. 40 Menschen seien gerettet worden, man habe ihnen an Bord Essen, Wasser und Medizin gegeben. Seitdem koordinierten sich die US-Behörden mit ihren internationalen Partnern über das weitere Vorgehen.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Sea Watch sind zudem zwölf Verstorbene an Bord. Die US-Marine habe noch am selben Tag um 12.36 Uhr Ortszeit die Seenotrettung benachrichtigt und um eine Übernahme der Geretteten und Verstorbenen gebeten. Das Marineschiff habe sich 20 Seemeilen vor der libyschen Küste befunden. Als das einzig verbliebene zivile Rettungsschiff im Mittelmeer habe man sich der angegebenen Position genähert, die Überlebenden aber aus Sorge vor dem Schicksal der Aquarius nicht an Bord genommen und nur medizinische Hilfe angeboten.

Die neue italienische Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega hatte der Aquarius von der Hilfsorganisation SOS Méditerranée am Sonntag keine Erlaubnis gegeben, mit den mehr als 600 Migranten an Bord in einen italienischen Hafen einzufahren. Das Schiff wartete zwei Tage lang auf hoher See auf Anweisung. Nun ist es auf Einladung Spaniens unterwegs ins 1.500 Kilometer entfernte Valencia. Der italienische Innenminister Matteo Salvini hingegen will gegen den privaten Seenotretter vorgehen, den er als "Vize-Schlepper" bezeichnet. Schiffe der eigenen Küstenwache durften dagegen mit Migranten an Bord in Italien anlegen.

Sea Watch verurteilte, "dass erneut Menschen in Seenot in einem diplomatischen Schwebezustand gehalten werden". Der Streit um die Migration dürfe nicht auf Kosten der Bedürftigen geführt werden. "Sowohl wir, als auch das US-Kriegsschiff warten nach wie vor auf Anweisungen, da bisher noch kein Staat die Verantwortung übernommen hat."

Die Menschen hätten zusehen müssen, wie Freunde oder Familienangehörige ertrunken seien, und würden nun obendrein noch in der Schwebe hängen gelassen, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer.

Auch der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Flavio Di Giacomo, kritisierte den Schwebezustand. "Überlebende von Schiffsunglücken sind extrem verwundbar, traumatisiert und brauchen unbedingt sofortige Hilfe. Zu lange zu warten ist keine Option."