Kamouss' Islamverständnis erschließt sich nicht sofort. Es ist offen, tolerant, im Kern aber doch traditionell. Etwa wenn es um das Kopftuch geht. "Ein Kopftuch zu tragen", sagt er, "ist für eine Frau religiöse Pflicht." Dann aber wendet er ein, dass es auch in Ordnung sei, wenn sie darauf verzichte – sei es aus Angst vor Gewalt oder aus persönlichen Gründen. Das Tuch sei kein Gradmesser dafür, ob eine Frau eine gute Muslimin sei. Schließlich gebe es Frauen, die es aus Tradition oder des familiären Drucks wegen tragen würden – ohne wirklich dahinter zu stehen. Und dann sagt er den Satz, der oft fällt in seinen Predigten: "Es darf keinen Zwang geben im Islam."

Die meisten Aktivitäten seiner Stiftung, auch das stellt Kamouss klar, hätten nichts mit Religion zu tun. Es gehe nicht ums Missionieren, sondern darum, sich als Muslime gesellschaftlich zu engagieren. Die Resonanz fällt bisher allerdings verhalten aus. Die Gemeinde wächst zwar, bis zu 150 Menschen kommen Kamouss zufolge inzwischen zu den Freitagsgebeten; das große mediale Echo aber blieb aus.

Mehr Aufmerksamkeit kam von anderer Seite: Drei Wochen nach der Feier in der Kirche habe ihn ein Beamter des Landeskriminalamtes angerufen, sagt Kamouss. Man müsse ihn warnen: Mitarbeiter hätten Chats von IS-Sympathisanten mitgelesen. Darin werde dazu aufgerufen, ihn zu töten.

Je mehr er sich dem Frieden nähert, scheint es, desto schwerer wird es, dem Hass zu entfliehen.