Nach dem Asylstreit mit der CSU hat Angela Merkel den Ton in der Debatte als "schroff" bezeichnet. "Ich persönlich werde mich gegen bestimmte Erosionen von Sprache immer wieder wenden", sagte die Bundeskanzlerin bei ihrer traditionellen Sommerpressekonferenz. Auch die Form der Sprache könne eine gesellschaftliche Spaltung befördern. Sie glaube, dass die Diskussion zur Politikverdrossenheit beigetragen habe. Die Regierung müsse stärker deutlich machen, dass sie zwar nicht alle Probleme der Migration gelöst habe, aber dass sie Vorsorge getroffen habe, "dass sich 2015 nicht wiederholt".

Die Kanzlerin betonte, dass sie die Streitfrage für eine sehr grundsätzliche gehalten habe. Sie habe während der Auseinandersetzung mit der CSU aber nie an Rücktritt gedacht. Mitten in einer wichtigen Debatte müsse sie sich als Kanzlerin auf diese konzentrieren, sagte Merkel. Grundsätzlich sprach sie sich für Debatten aus. Versöhnung könne es nur geben, wenn man Streit austrage. Merkel wirbt weiter für Kompromisse. "Politische Entscheidungen sind selten Hundert-zu-null-Entscheidungen", sagte Merkel. Man könne aber auch nicht unilateral und zulasten Dritter handeln. 

Zugleich wies Merkel auf eine Veränderung in der politischen Kultur hin, die durch die sozialen Medien getrieben sei. Durch Onlinenetzwerke sei jeder Teilhaberin, Teilnehmer und Akteur, Meinungen würden weiter gestreut. Sie selbst versuche deshalb, umso mehr auf ihre Sprache zu achten. "Ich glaube, dass es zwischen Denken, Sprechen und Handeln einen ziemlich engen Zusammenhang gibt", sagte sie. Die Kanzlerin sieht aber auch Netzwerke wie Facebook und Twitter in der Verantwortung. "Ich glaube nicht, dass die Plattformen nur sagen können, sie sind ein physikalisches Bindeglied zwischen Akteuren." Sie müssten Standards einhalten.

Lob für das Treffen von Helsinki

Die Bundeskanzlerin äußerte sich auch zu den Beziehungen mit den Vereinigten Staaten. Sie bezeichnete die transatlantische Zusammenarbeit als zentral. Sie werde aber weiter für Multilateralismus werben. Europa sei ein Paradebeispiel dafür, wie man von gemeinsamen Entscheidungen profitieren könne. Der gewohnte Ordnungsrahmen stehe im Augenblick stark unter Druck. "Im Zweifelsfall müssen wir uns stärker streiten", sagte Merkel.

Im Handelsstreit mit den USA setze sie weiterhin auf Gespräche. Das sei klar die präferierte Lösung, sagte die Kanzlerin. Zwar bereite die Europäische Union Gegenmaßnahmen gegen mögliche Zölle auf Autos vor. Das sei aber mit Abstand die schlechteste Lösung: "Wir agieren nur, wenn Maßnahmen notwendig sind." Sie sieht die Prosperität durch die Strafzölle der USA weltweit in Gefahr und bezeichnete die Zölle als Verstoß gegen die Regeln der Welthandelsorganisation.

Das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Staatsoberhaupt Wladimir Putin bewertete die Kanzlerin grundsätzlich positiv. Sie freue sich über jedes Treffen der beiden Länder. "Ich finde, dass es wieder zur Normalität werden müsste, dass sich russische und US-amerikanische Präsidenten treffen", sagte Merkel. Wenn gesprochen werde, sei das gut für alle – gerade wenn zwischen diesen beiden Ländern gesprochen werde, die 90 Prozent des weltweiten Waffenarsenals auf sich vereinigten.

Vor der Sommerpause stellt sich Angela Merkel traditionell den Fragen der Hauptstadtjournalisten. Im vergangenen Jahr drehten sich in der sommerlichen Pressekonferenz der Bundeskanzlerin viele Fragen um den Wahlkampf und die anstehende Bundestagswahl, im Jahr davor um ihre Flüchtlingspolitik.