Vier Jahre nach dem Bergbauunglück im westtürkischen Soma mit 301 Toten hat ein Gericht die ersten Manager und Angestellten der Mine zu langen Haftstrafen verurteilt. Der Geschäftsführer der Bergbaufirma soll für 15 Jahre in Haft, der Direktor des Bergwerks für 22 Jahre und sechs Monate. Der Betriebsleiter bekam eine Haftstraße von 18 Jahren und neun Monaten. In dem seit drei Jahren andauernden Prozess sollen Urteile gegen insgesamt 37 Angeklagte fallen.

Das Strafmaß blieb hinter den Erwartungen der Anwälte und Familien der Opfer zurück. Die Anwälte verließen nach den ersten Urteilen aus Protest den Saal. Sie hatten für insgesamt elf der mehr als 40 Angeklagten mehrfach lebenslange Haftstrafen gefordert. Angehörige riefen wütende Proteste in Richtung der Richter.

Am 13. Mai 2014 war in dem Braunkohlebergwerk in der westlichen Provinz Manisa ein Feuer ausgebrochen. 301 Kumpel starben, die meisten erstickten. Hunderte wurden verletzt. Es war das schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Türkei. Die Anklage hatte der Führungsriege des Braunkohlebergwerks vorgeworfen, aus Profitgier Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigt zu haben.

Der damalige türkische Ministerpräsident und jetzige Staatschef Recep Tayyip Erdoğan hatte damals viele Menschen gegen sich aufgebracht, als er bei einem Besuch in Soma nach dem Unglück über die angebliche Unvermeidbarkeit von Bergwerksunfällen sprach.