In Berlin haben Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt zahlreiche Immobilien einer arabischen Großfamilie beschlagnahmt, deren Mitglieder in vielfältige Straftaten verwickelt sind. Wie jetzt durch Recherchen von Spiegel TV bekannt wurde, durchsuchten Beamte bereits am vergangenen Freitag in mehreren Stadtteilen Wohnungen und Geschäftsräume des aus dem Libanon stammenden Clans. Insgesamt wurden 77 Immobilien im Wert von zehn Millionen Euro beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft will sich erst an diesem Donnerstag offiziell äußern.

Laut dem Tagesspiegel, dem die Staatsanwaltschaft die Aktion bestätigte, gehen die Ermittler davon aus, dass die Familie ihre Immobilien auch mit Geld aus Straftaten gekauft hatte. Männern aus dem Clan werden unter anderem Tötungsdelikte, Raub, Nötigung, Hehlerei und Drogenhandel vorgeworfen. Drei Mitglieder der Familie sind etwa die Hauptverdächtigen für den Überfall auf das Berliner Bode-Museum im vergangenen Jahr: Damals wurde eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze im Wert von 3,7 Millionen Euro gestohlen, die weiter verschwunden bleibt.

Die Beschlagnahmung der Immobilien ist rechtlich vorläufig. Das Berliner Landgericht muss noch entscheiden, ob sie den Besitzern dauerhaft entzogen werden. Grundlage ist ein relativ neues Gesetz zur Abschöpfung krimineller Gelder von 2017. Es ermöglicht eine vorläufige Sicherstellung und die Einziehung von Vermögen unklarer Herkunft. In den jetzt betroffenen Wohnungen können die Familienmitglieder vorerst wohnen bleiben, die Grundbucheinträge sind aber geändert, sodass der Clan nicht mehr über die Immobilien verfügen kann.

In bestimmten Berliner Bezirken haben Gangs, oft arabischen Ursprungs, Straßen unter sich aufgeteilt. Zwischen 12 und 20 teils kriminelle Großfamilien soll es in Berlin geben, ein Teil davon ist in Neukölln zu Hause. Das Problem ist aber nicht auf Berlin beschränkt. Auch im Ruhrgebiet, in Niedersachsen und in Bremen sind die oft weit verzweigten Clans aktiv.

Viele Mitglieder dieser Großfamilien - auch mit palästinensischer oder libanesischer Herkunft - durften in Deutschland nicht arbeiten, weil sie offiziell staatenlos waren und und ihr Aufenthaltstatus ungeklärt war. Kriminalität wurde zu einer Haupteinnahmequelle mancher Clans.

Nach Angaben der Berliner Polizei richteten sich im vergangenen Jahr 14 der 68 größeren Ermittlungsverfahren zur organisierten Kriminalität gegen Banden mit arabisch-libanesischstämmigen Mitgliedern. Mehr als die Hälfte der Verdächtigen aus diesen Clans habe inzwischen einen deutschen Pass, sagte kürzlich Dirk Jacob, beim Berliner Landeskriminalamt zuständig für organisierte Bandenkriminalität.