Der in Bonn antisemitisch attackierte Hochschullehrer hat schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. In einem Brief unter anderem an die Nachrichtenagentur dpa beschuldigte Professor Jitzchak Jochanan Melamed von der Universität Baltimore die Polizei, Lügen über den Vorfall am Mittwoch zu verbreiten.

Ein 20-jähriger Deutscher mit palästinensischen Wurzeln hatte Melamed beleidigt und angegriffen. Die alarmierte Polizei hielt irrtümlich den Professor für den Täter. Polizisten überwältigten und schlugen ihn. Das nordrhein-westfälische Innenministerium und die Polizei räumten den Irrtum ein und entschuldigten sich. In einer Polizeimeldung hieß es, Melamed habe Zurufe der Polizei, stehenzubleiben, nicht beachtet. Als Einsatzkräfte versuchten, ihn zu fixieren, habe er sich zur Wehr gesetzt.

Melamed bestreitet, sich gewehrt zu haben. Die Polizisten seien sofort auf ihn losgegangen. Er habe kaum noch atmen, geschweige denn Widerstand leisten können. Er habe lediglich gerufen, dass er der Falsche sei. Die Polizei habe seine Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt und ihn Dutzende Male ins Gesicht geschlagen. Sein Gesicht habe anschließend geblutet.

Kurz nachdem ihm die Handschellen wieder abgenommen worden seien, habe ihn einer der Polizisten belehrt: "Don't get in trouble with the German police!" ("Legen Sie sich nicht mit der deutschen Polizei an!"). Darauf habe er geantwortet, dass die deutsche Polizei 1942 seinen Großvater, seine Großmutter, seinen Onkel und seine Tante ermordet habe.

Auf der Wache hätten die Polizisten eineinhalb Stunden lang versucht, ihn von einer Beschwerde abzubringen. Einer habe ihm gesagt, Melamed habe ihn an der Hand berührt. Erst als Reaktion darauf seien sie gegen ihn vorgegangen. "Ich sagte ihm, das wäre eine glatte Lüge." Es habe keinen Körperkontakt gegeben, bevor sich die Polizisten auf ihn gestürzt hätten. Am Ende hätten sie ihm deutlich gemacht, dass sie, sollte er sich über sie beschweren, gezwungen wären, ihn zu beschuldigen, sich seiner Festnahme widersetzt zu haben.

"Wenn ich ein Underdog wäre, würde sich niemand dafür interessieren"

Der einzige Grund, warum ihn später die Bonner Polizeipräsidentin aufgesucht habe, sei der Tatsache geschuldet, dass er Professor an einer amerikanischen Universität sei. "Wenn ich nur ein Underdog der deutschen Gesellschaft wäre, würde sich niemand dafür interessieren (und sicher würde auch niemand der Beschwerde Glauben schenken)", heißt es in dem Brief.

Über den Angriff selbst berichtete Melamed, der Mann habe ihn mit den Worten "Bist du Jude?" angesprochen und gesagt, dass er Palästinenser sei. Er habe daraufhin seine Sympathie für die Palästinenser zum Ausdruck gebracht. Der Mann habe ihn nun auf Englisch angeschrien, ihn beleidigt und geschubst. Dabei habe er ihm dreimal die Kippa vom Kopf geschlagen und gerufen, in Deutschland sei es nicht erlaubt, sie zu tragen.

Der 20-jährige Deutsche mit palästinensischen Wurzeln war vorübergehend festgenommen und in eine psychiatrische Klinik gebracht worden. Die Ärzte fanden jedoch laut der Polizei nichts, was einen weiteren Aufenthalt gerechtfertigt hätte. Die Vorwürfe wegen Körperverletzung und Volksverhetzung seien nicht schwerwiegend genug, um ihn in Untersuchungshaft zu nehmen.