Die meisten Syrerinnen und Syrer, die vor der Militäroffensive der Regierung in der Provinz Daraa geflohen waren, sind nach Angaben der Vereinten Nationen wieder in ihre Wohnungen zurückgekehrt. Insgesamt seien mehr als 320.000 Menschen in den vergangenen Wochen vor den Bombardierungen der syrischen Armee geflohen. Viele Menschen hätten ohne Schutz in der Nähe der geschlossenen jordanischen Grenze kampiert. Nun sitzen noch 150 bis 200 Menschen an einem wichtigen Grenzübergang nach Jordanien fest, wie Anders Pedersen, UN-Koordinator in Jordanien, im Gespräch mit Reportern sagte. Dabei handele es sich fast ausschließlich um Männer.

Dagegen teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien mit, nur etwa 60.000 Syrer seien schon wieder zu Hause. Weitere Tausende seien demnach in ein anderes Gebiet geflüchtet, weil sie befürchteten, von Regierungstruppen festgenommen zu werden. Die Beobachtungsstelle gilt als gut vernetzt und informiert in Syrien, ihre Berichte können jedoch nicht unabhängig überprüft werden.

Laut Pedersen bleibt die Lage im Süden Syriens schwierig. Auch die Hilfsorganisation Care teilte mit, viele Familien lebten weiterhin im Freien und bräuchten dringend Nahrungsmittel, sauberes Wasser und ein Dach über dem Kopf. Pedersen forderte Zugang in das Gebiet, um die Bedürftigen zu erreichen.

Beschuss auf Rebellendorf im Süden

Auch sind die Kämpfe laut Oppositionsaktivisten nicht eingestellt. Sie berichteten von schwerem Beschuss und Luftangriffen auf das von Rebellen gehaltene Dorf Um al-Majadin einige Kilometer nördlich des Grenzübergangs Nassib. Einige Stunden später meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana, Truppen hätten das Dorf eingenommen.

Syrische Regierungstruppen hatten am Freitag nach einer zweiwöchigen Offensive wieder die Kontrolle über den Grenzübergang Nassib sowie einen Streifen entlang der Grenze zwischen Syrien und Jordanien erlangt. Der Übergang war seit 2015 unter Kontrolle von Rebellen. Wegen der Offensive der Regierungstruppen flohen Hunderttausende Menschen in Richtung der geschlossenen Grenze zu Jordanien. Am Freitag wurden die Bombardierungen und Luftangriffe eingestellt, nachdem sich die Rebellen unter russischer Vermittlung bereit erklärt hatten, den Grenzübergang aufzugeben.

Die wichtigsten Rebellengruppen im Osten der südsyrischen Provinz Daraa haben im Rahmen des von Russland vermittelten Abkommens einer Abgabe ihrer Waffen zugestimmt – einige wollen aber weiterkämpfen, zumeist im Westen Daraas und in der nahegelegenen Region Kuneitra. Syrische Regierungstruppen kontrollieren nun wieder alle Dörfer und Städte im östlichen Teil der Provinz.

In Daraa begann der Aufstand gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad vor sieben Jahren.