Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die russische Regierung dazu aufgefordert, den inhaftierten ukrainischen Filmemacher Oleh Senzow medizinisch zu versorgen. Senzow ist seit 2015 in russischer Haft und befindet sich in einer Strafkolonie in Sibirien. Vor mehr als zwei Monaten ist er aus Protest gegen seine Haft und die Inhaftierung weiterer Ukrainer in einen Hungerstreik getreten.

Senzow müsse sofort in ein Krankenhaus gebracht und versorgt werden, verlangte das Straßburger Gericht. Der Gerichtshof legte Senzow zudem nahe, seinen Hungerstreik zu beenden und eine lebensrettende medizinsche Behandlung anzunehmen. Der Zustand des Regisseurs sei den Umständen entsprechend kritisch.

Der Gerichtshof verhängte eine sogenannte einstweilige Maßnahme. Das ist nur im Ausnahmefall möglich, falls Beschwerdeführern unwiderruflicher Schaden drohe. Senzows Anwalt, Pawel Tschikow, habe sich am Dienstag an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gewandt, um medizinische Versorgung für seinen Mandaten zu erwirken und eine solche Maßnahme zu beantragen. Da Russland Mitgliedstaat des Europarats ist, ist die russische Regierung verpflichtet, die Maßnahme umzusetzen.

Der Filmemacher Oleh Senzow, der von der Halbinsel Krim stammt, war dort 2014 festgenommen worden. Wegen der Vorwürfe der "Bildung einer terroristischen Vereinigung" und des Waffenschmuggels war er zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Amnesty International hatte den Prozess als "stalinistisch" kritisiert. Auch der Europarat und die G7 hatten bereits zur Freilassung Senzows aufgerufen – bislang ohne Erfolg.

Russland hat die Krim 2014 annektiert. Im Osten der Ukraine herrscht seitdem Krieg.