Hamburgs linke Szene hat mit mehreren Aktionen an das konfliktreiche Treffen der führenden Industrie- und Schwellenländer vor einem Jahr erinnert. Am Neuen Pferdemarkt versammelten sich am Samstagabend laut Polizei etwa 2.300 Menschen; die Veranstalter sprachen von 3.000 Teilnehmern. Sie zogen bis Mitternacht begleitet von Technomusik durch das Schanzenviertel. Zuvor hatten sich rund hundert Menschen an einer Fahrraddemo beteiligt.

"Bisher ist alles friedlich verlaufen", sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten erwarteten einen störungsfreien Verlauf. Auf den Straßen war kein großes Aufgebot von Sicherheitskräften zu sehen.

Veranstalter kritisieren Einstellung von Verfahren gegen Polizisten

"Lasst unsere Leute endlich frei und hört auf, G20-Protestierer bis in die letzten Ecken der Republik zu jagen, während alle Verfahren gegen Polizisten, die uns geschlagen haben, eingestellt werden", forderte Emily Laquer von der Interventionistischen Linken bei einer Kundgebung. Die Organisation war zusammen mit dem Roten Aufbau laut Verfassungsschutz maßgeblich daran beteiligt, gewaltbereite Linksextremisten für die G20-Proteste in Hamburg zu mobilisieren.

Innensenator Andy Grote (SPD) hatte die linke Szene kürzlich vor neuen Ausschreitungen gewarnt. "Macht lieber einen Bogen um Hamburg", sagte er. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte am Dienstag eine Warnung an die Rote Flora ausgesprochen: "Wenn es aus der Roten Flora heraus Gewalt gibt, dann gehen wir da rein."

Das Gipfeltreffen der wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt im Juli 2017 war von massiven Ausschreitungen überschattet worden. Randalierer zündeten zahlreiche Autos angezündet und griffen mehrere Streifenwagen an. Jüngsten Angaben von Polizei und Feuerwehr zufolge wurden 797 Polizeibeamte bei dem Einsatz verletzt. Innensenator Grote bezifferte die Schäden im öffentlichen Raum mit 200.000 Euro, die von privaten Eigentümern mit 10,8 Millionen Euro.