Die Rettung der in Thailand in einer Höhle eingeschlossenen Jungen kommt voran: Wie die Marine bestätigte, wurden vier weitere Kinder aus der Höhle herausgeholt. Zuvor hatten verschiedene Medien unter Berufung auf Augenzeugen darüber berichtet. Am Sonntag hatten Spezialtaucher bereits vier der Jungen aus der teilweise gefluteten Höhle gerettet. Nun sitzen noch vier Jungen und ihr Betreuer dort fest – nun schon seit 16 Tagen.

Die Rettungsmission war am Montagvormittag wieder aufgenommen worden. Die zwölf Mitglieder einer Jugend-Fußballmannschaft und ihr Betreuer waren seit dem 23. Juni in der weitläufigen Höhle eingeschlossen und wurden erst nach tagelanger Suche von Tauchern in einer Felskammer entdeckt.

Der Einsatz wird am Dienstag fortgesetzt, wenn die Taucher neue Kräfte gesammelt haben und auch die Versorgung mit Atemluft auf dem vier Kilometer langen Weg nach draußen sichergestellt ist. Möglicherweise wird dann gleich versucht, die letzten fünf Eingeschlossenen zusammen herauszuholen. Offiziell gab es dafür keine Bestätigung. Provinzgouverneur Narongsak Osottanakorn versicherte aber, alle bislang Geretteten seien "sicher und gesund".

Die geretteten Kinder werden jetzt in einem Krankenhaus der Provinzhauptstadt Chiang Rai behandelt, etwa 50 Kilometer von der Höhle entfernt. Dort gab es für die ersten Jungen auch schon ein Wiedersehen mit Eltern und Geschwistern. Allerdings müssen sie nach zwei Wochen in fast kompletter Dunkelheit äußerst vorsichtig wieder ans normale Leben herangeführt werden. Zunächst einmal sollen sie von Ärzten untersucht werden. Befürchtet wird, dass auch die Psyche Schaden genommen haben könnte. Der achte Stock der Klinik, wo die Jungen jetzt schlafen, ist von der Polizei abgesperrt.

Der Provinzgouverneur hatte als Verantwortlicher für den Einsatz mitgeteilt, dass die geretteten Jungen vorerst nicht ihre Eltern umarmen könnten. Wegen der Infektionsgefahr für die geschwächten Jungen dürften die Eltern noch keinen körperlichen Kontakt mit ihren Söhnen haben, sagte er. Die behandelnden Ärzte der Jungen träfen die Entscheidung, ob Angehörige die Jungen "aus der Entfernung oder durch Glas" sehen dürften.

"Wir wissen nicht, wer die Geretteten sind"

Eltern der eingeschlossenen Jungen hatten zunächst weiter um ihre Kinder gebangt, weil die Namen der bereits Geretteten nicht veröffentlicht wurden. "Wir haben gehört, dass vier Jungen draußen sind, aber wir wissen nicht, wer sie sind", sagte Supaluk Sompiengjai, Mutter des 16-jährigen Pheeraphat, der Nachrichtenagentur AFP. Niemand von den an der Höhle wartenden Eltern sei informiert worden.

Nach Angaben des Provinzgouverneurs dauerte der zweite Großeinsatz insgesamt neun Stunden – zwei weniger als am Tag zuvor. Die Höhle ist nach seiner Darstellung weiterhin teilweise überflutet, das Wasser aber gesunken. "Der Wasserstand ist tief. Das Wetter ist gut. Die Ausrüstung ist bereit", sagte er zu Beginn der Aktion. Nach Regenfällen über Nacht schien am Montag die Sonne. "In ein paar Stunden werden wir gute Nachrichten bekommen", sagte der Gouverneur – damit behielt er dann auch Recht.

Der Tauchgang durch die weit verzweigte Höhle ist schon für Profis kräftezehrend. Die Jungen und ihr Trainer waren erst in den vergangenen Tagen mit den Grundregeln des Tauchens vertraut gemacht worden, einige von ihnen können nicht einmal schwimmen.

Die Rettung ist sehr gefährlich. An manchen Stellen ist der Weg so eng, dass die Taucher ihre Atemluft-Flaschen abschnallen müssen. Darüber hinaus kann man im Wasser kaum sehen. Bei der Vorbereitung der Mission ertrank am Freitag ein erfahrener thailändischer Taucher. Jetzt nehmen jeweils zwei Retter die Jungen, von denen kein einziger richtig tauchen kann, ins Schlepptau. Alle tragen Taucheranzüge und sind mit Taucherbrillen ausgerüstet. Die Profis versorgen sie mit Luft.

Etwa 90 Taucher sind im Einsatz. Das Kernteam besteht aus 18 Spezialtauchern, davon der größte Teil aus Ländern wie Australien und Großbritannien. Insgesamt sind mehr als 1.000 Retter beteiligt.