Es war ein bemerkenswert gefühlloses Finale, das dem mehr als zweiwöchigen Drama um die zwölf Jungen und den Trainer ihres Fußballteams folgte. Am Nachmittag des dritten Rettungstages waren auch die Letzten unverletzt aus der überschwemmten Tham-Luang-Höhle in Thailand gerettet worden. Wenig später trat Provinzgouverneur Narongsak Osottanakorn vor die Presse, um die gute Nachricht zu überbringen. Er hatte sich fein gemacht für den offiziellen Moment: In blütenweißem Hemd, einer schwarzen Weste und himmelblauer Schirmkappe präsentierte er sich ein paar Augenblicke lang regungslos zwischen vier Militäroffizieren. Selbst das gelbe Halstuch, das Narongsak in den vergangenen Tagen bei fast jeder Pressekonferenz trug und das ein Symbol für die Verehrung des Königs Maha Vajiralongkorn ist, war nagelneu.

Demütig faltete der Gouverneur die Hände, erwies zunächst der Monarchie seine Ehre: "Wir danken dem verstorben König Rama 9, dem gegenwärtigen Rama 10 und seiner Familie für die Unterstützung während der vergangenen Tage." Die Nachricht des Tages, auf die ganz Thailand und die Welt gewartet hatte, zog Narongsak hinaus. Zeigte Jubel statt Unterwürfigkeit. Und sagte dann: "Alle fünf Leute, die noch in der Tham-Luang-Höhle waren, sind gerettet worden. Den vier Kindern geht es gut. Die drei Navy Seals und der australische Arzt, die während der vergangenen drei Tage bei den Eingeschlossenen geblieben sind, befinden sich ebenfalls in Sicherheit und verlassen in diesen Minuten die Höhle."

Während Hunderte freiwillige Helfer, die seit Beginn der Such- und Bergungsaktion die Retterinnen und Retter sowie die etwa 1.000 Journalistinnen und Journalisten versorgt hatten, in lauten Jubel ausbrachen, ließ sich Narongsak nicht von seinem bürokratischen Trott abbringen: "Wir werden erst morgen über Einzelheiten der Rettungsoperation sprechen. Heute danken wir der Welt, der Unterstützung der thailändischen Bevölkerung, den ausländischen Tauchern und den Streitkräften, die rund 1.000 Soldaten einsetzten, für ihre Unterstützung", sagte der Gouverneur. Dann endlich ließ er doch so etwas wie Erleichterung über die erfolgreiche und hochriskante Rettungsaktion durchschimmern: "Es ist noch einmal gut gegangen. Wir hoffen, dass so etwas in Thailand und dem Rest der Welt nicht wieder passiert."

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Am 23. Juni waren die zwölf jungen Fußballspieler mit ihrem 25-jährigen Trainer zu einer Geburtstagsfeier in die Tham-Luang-Höhle aufgebrochen. Hatten frühere Ausflüge in die Höhle keine Probleme bereitet, wurde das Team diesmal von einem Tropensturm mit heftigem Regen überrascht. Das Höhlenlabyrinth wurde überflutet, schnitt die "13", wie sie in Thailand getauft wurden, von der Außenwelt ab.

Erst nach einer zehntägigen Suche wurden sie von zwei britischen Höhlentauchern in einer kleinen Grotte mehrere Kilometer vom Eingang entfernt gefunden – schon damals abgemagert, hungrig und verängstigt. Es sollte noch einmal mehrere Tage dauern, bis die Bergung der Gruppe erfolgen konnte. Wegen enger Passagen in den Höhlen war die Rettungsaktion hochgefährlich und kompliziert, nur wenige Taucher weltweit waren in der Lage, die schwierige Aktion durchzuführen.