Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die rockerähnliche Gruppe Osmanen Germania BC verboten und ihnen jede Tätigkeit untersagt. Mitglieder des Vereins hätten schwere Straftaten verübt, teilte das Ministerium mit. Zweck und Tätigkeit der Osmanen Germania verstießen gegen Strafgesetze.

Am Morgen durchsuchten Polizisten Räume der Mitglieder in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. "Von dem Verein geht eine schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit aus", hieß es in der Mitteilung. "Wer den Rechtsstaat ablehnt, kann von uns keine Nachsicht erwarten." Das Verbot stützt sich auf das Vereinsgesetz.

Betroffen von dem Verbot sind auch alle Teilorganisationen. Derzeit sind im Bundesgebiet 16 Ortsgruppen, sogenannte Chapter, aktiv – hauptsächlich in den Regionen Stuttgart, Frankfurt und Köln. Die Gesamtzahl der Mitglieder schätzt die Polizei auf 300.

Osmanen Germania BC ist nach eigener Aussage ein Boxclub – dafür stehen die beiden Buchstaben BC. Mit Motorrädern hat die Gruppe nichts zu tun, sie hatte sich jedoch die gleiche Struktur gegeben wie etablierte Motorradgangs wie die Hells Angels. Die Hierarchien des Vereins hatten auch die gleichen Bezeichnungen wie President oder Sergeant-at-Arms. Die Mitglieder trugen außerdem als Erkennungszeichen sogenannte Kutten, Westen mit den Emblemen und Abzeichen des Clubs, die denen anderer Clubs nachempfunden sind. Mit dem Verbot der Osmanen ist es auch verboten, ihre Kutten öffentlich zu tragen.

Prozess in Stuttgart

Die Justiz ermittelt seit mindestens zwei Jahren gegen die Gruppe. Bereits 2016 und im März 2017 fanden Razzien statt. Ziel war, die Struktur und die Leitung des Vereins zu durchleuchten und das Zusammenwirken mit seinen Teilorganisationen zu erlangen. Die gewonnenen Erkenntnisse bildeten die Grundlage für das Verbot.

In Stuttgart läuft seit März außerdem ein Prozess gegen acht mutmaßliche Mitglieder. Unter ihnen sind auch die beiden Chefs der Gang, der Gründer und Präsident Mehmet Bağcı und der Vizepräsident, das ehemalige Hells-Angels-Mitglied Selçuk Şahin. Den Männern wird unter anderem versuchter Mord, Erpressung, Drogenhandel, Zwangsprostitution sowie Zuhälterei und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Vor kurzem wurde gegen die beiden Chefs und weitere Mitglieder noch eine weitere Anklage wegen bandenmäßigen Diebstahls eingereicht. Sie sollen in verschiedenen Firmen Europaletten gestohlen und weiterverkauft haben.

Club soll vom türkischen Staat Geld erhalten haben

Der Club war nach eigenen Angaben im April 2015 von Türkischstämmigen gegründet worden. Die Mitglieder rekrutierte er vor allem unter Türstehern und Kampfsportlern mit türkischen Wurzeln. Der Club war die am schnellsten wachsende Gruppe in der deutschen Rockerszene, er hatte nach eigener Aussage 2.000 Mitglieder. Wobei die Bezeichnung Club eher irreführend ist. Zwar betätigten sich die Mitglieder im Boxsport, nach Ansicht der Ermittler sind sie aber vor allem eine Straßengang und haben mit der Förderung des Sports nichts zu tun.

Spuren im Netz hinterließ die Gruppe vor allem in Form von martialischen Videos und harter Musik. Sie verfolgte auch politische Ziele: Laut einer Dokumentation des ZDF behaupteten die Rocker von sich, das "gesamte Land" übernehmen zu wollen. Der Bayerische Rundfunk schrieb in einem Beitrag über die Osmanen, sie seien Verehrer des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und gingen gegen Erdoğan-kritische Landsleute in Deutschland vor. Das Innenministerium in NRW ist der Ansicht, dass die Gang auch direkte Kontakte zum Umfeld Erdoğans besitzt.

Der Verein soll finanziell vom türkischen Staat unterstützt worden sein. Bei Veranstaltungen von Erdoğan in Deutschland traten die Osmanen in größeren Gruppen auf.

Die Osmanen unternahmen an verschiedenen Orten in Deutschland Machtdemonstrationen, öffentliche Auftritte vieler Mitglieder, um Clubs wie den Hells Angels Regionen streitig zu machen. Vor allem vier Rockergruppen sind in Deutschland vertreten, neben den Hells Angels, dem ältesten Club dieser Art, sind es die Outlaws, die Bandidos und der Gremium MC.